gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert eine unabhängige Untersuchung des Verhaltens der UN-Friedenstruppe MINUSCA bei einem Massaker in der Zentralafrikanischen Republik, bei dem am Donnerstag vergangener Woche 60 geflohene Christen zu Tode kamen. Augenzeugen werfen den UN-Soldaten vor, nicht eingegriffen zu haben, als ein Flüchtlingslager im Zentrum der Stadt Alindao von Milizionären angegriffen wurde. Gemäß dem Mandat der MINUSCA, das der Weltsicherheitsrat am 15. November 2017 erteilte, hat der Schutz der Zivilbevölkerung absoluten Vorrang.

"Wenn Blauhelmsoldaten ihren Auftrag nicht erfüllen und Zivilisten nicht wirksam vor Gewalt schützen, dann muss sich der Weltsicherheitsrat mit dem Versagen der UN-Friedenstruppe beschäftigen. Außerdem muss die Zahl der Blauhelmsoldaten in der Zentralafrikanischen Republik dringend erhöht werden", forderte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. Ein Sprecher der Vereinten Nationen hatte bestritten, dass die 50 Blauhelme bei dem Massaker nicht eingegriffen hätten. Sie seien den zahlreichen Angreifern jedoch zahlenmäßig so unterlegen gewesen, dass sie Zivilisten nicht hätten schützen können.

Der Angriff richtete sich gegen rund 27.000 christliche Flüchtlinge aus umkämpften ländlichen Gebieten, die in der Umgebung der Kathedrale Zuflucht gefunden hatten. Bei dem Überfall, bei dem die Kirche und angrenzende Gebäude in Brand gesetzt wurden, kamen auch der Generalvikar und ein Pfarrer zu Tode. Insgesamt haben rund 40.000 Flüchtlinge in Alindao Schutz gesucht. Dort existieren mehrere Flüchtlingscamps.

Inzwischen wurde die Militärpräsenz in der Stadt erhöht, so die GfbV. Rund 20.000 Menschen seien jedoch nach dem Massaker aus Alindao geflohen, weil sie dem Schutz der MINUSCA nicht mehr vertrauten. "Die UN-Friedenstruppe in der Zentralafrikanischen Republik erlebt einen massiven Verlust an Glaubwürdigkeit, weil die Blauhelmsoldaten meist nicht rechtzeitig einschreiten, um die Gewalt einzudämmen", warnte Delius. So hätten sich solche Zwischenfälle im Jahr 2018 in ländlichen Gebieten gehäuft, aus denen immer mehr Menschen in die Städte fliehen würden. Doch wenn die MINUSCA Zivilisten auch dort nicht wirksam schützen könne, dürften die Vereinten Nationen nicht länger tatenlos zusehen, sondern müssten die Initiative ergreifen.

Momentan sind 10.758 Blauhelmsoldaten mit dem Schutz der Zivilisten in der Zentralafrikanischen Republik betraut. Das Land ist doppelt so groß wie Deutschland.

Quelle: www.gfbv.de 


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