gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat vor einem Scheitern der Friedensbemühungen in Kamerun gewarnt. "Den Vermittlern läuft die Zeit davon. Denn die Regierung behindert die Friedensbemühungen, während die Gewalt im Bürgerkrieg täglich zunimmt", kritisierte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Freitag in Göttingen.

So gebe es ständig neue Entführungen von Zivilisten durch Kämpfer der Unabhängigkeitsbewegungen für die anglophonen Regionen Kameruns. Erst am Donnerstag seien 30 Fischer entführt worden. Am gleichen Tag seien zwei andere Verschleppte von ihren Entführern freigelassen worden.

"Wenn zehn inhaftierten Anführern der Unabhängigkeitsaktivisten am 6. Dezember 2018 der Prozess gemacht wird, wird der Bürgerkrieg weiter eskalieren", sagte Delius. Seit Monaten forderten die Kirchen die Freilassung der Inhaftierten, um mehr Vertrauen zwischen den Konfliktparteien zu schaffen. Doch alle Appelle seien ungehört geblieben. Die zehn Aktivisten befürworteten die staatliche Unabhängigkeit der englischsprachigen Regionen Kameruns und seien aus politischen Gründen inhaftiert.

Wie die GfbV berichtete, hat sich besonders der Kardinal und emeritierte frühere Erzbischof von Douala, Christian Tumi, für einen glaubwürdigen Dialog zwischen den streitenden Parteien eingesetzt. Unermüdlich werbe der 88-Jährige für ein Umdenken bei der Regierung, die sich bislang jeder politischen Lösung des Konflikts verschließe und nur auf militärische Gewalt setze.

Der Kardinal hat die Vision einer Generalkonferenz der anglophonen Regionen, um auch der bislang kaum gehörten Zivilgesellschaft eine Stimme zu geben. Die Konferenz wurde bereits zweimal geplant. Zuletzt sollte sie am 21. und 22. November 2018 in der Stadt Buea stattfinden, doch die Regierung verweigerte die Genehmigung. Die Kirchen halten aber an ihrem Vorschlag fest, möglichst bald eine solche Generalkonferenz zu organisieren.

Auch zwei Emissären von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron gelang es laut GfbV nicht, Kameruns Präsidenten Paul Biya umzustimmen und für einen Dialog zu gewinnen, um die Krise zu lösen. Frankreich fürchte um den Verlust seines Einflusses in Kamerun, sollte Biya sich den Realitäten weiter verschließen und den eskalierenden Konflikt schönreden, so die GfbV. Der seit 26 Jahren amtierende Präsident setze auch nach seiner Neuwahl im Oktober 2018 auf eine Politik der Stärke und Kompromisslosigkeit gegenüber den Befürwortern der Unabhängigkeit.

Quelle: www.gfbv.de 


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