pro wildlifeMünchen. - In den kommenden Tagen wird Japan von seiner wohl letzten Walfangtour im Antarktis-Schutzgebiet zurückkehren: mit bis zu 333 Zwergwalen an Bord. Gleichzeitig bereiten sich die Walfänger in Island und Norwegen auf den Beginn der Jagdsaison ab dem 1. April vor. "2019 ist ein Schicksalsjahr für Wale", warnte Sandra Altherr von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

"Eine sehr umstrittene Studie hat Islands einzigem Finnwaljäger gerade den Weg freigemacht für noch höhere Quoten", sagte Altherr. "Japan nimmt zum 1. Juli ganz offiziell die kommerzielle Waljagd wieder auf, und Norwegen ist und bleibt trauriger Rekordhalter unter den Walfängern, mit einer Fangquote von 1.278 Zwergwalen."

Im Dezember 2018 hatte Japan angekündigt, aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) auszutreten und ab 1. Juli 2019 die kommerzielle Jagd auf Großwale wieder aufnehmen zu wollen. "Aus Sicht internationaler Umweltabkommen ist dies ein Eklat, weil der asiatische Inselstaat damit die störenden Vorgaben der IWC umgehen will. Die Konvention wird durch den Austritt geschwächt, und noch ist nicht klar, wie viele andere Länder dem Beispiel Japans folgen werden", erläuterte die Pro Wildlife Sprecherin die Folgen von Japans Alleingang. "Für die Wale hat die Entscheidung Tokios jedoch sogar gute Seiten: Künftig will Japan nur noch in der eigenen Wirtschaftszone Wale jagen, nicht mehr auf hoher See. Die Wale in der Antarktis wären demnach vor den Harpunen gefeit und auch im Nordpazifik werden künftig wohl weniger Wale gejagt als die bisher circa 230 Tiere jährlich."

Im Februar zerschlug der isländische Fischereiminister die Hoffnungen von Walschützern in aller Welt: Er gab für weitere fünf Jahre eine Walfangquote frei und erhöhte sogar noch die Zahl um 55 Finnwale auf 209 der gefährdeten Meeressäuger plus 217 Zwergwale jährlich. Dabei berief er sich auf eine stark umstrittene Studie der Universität Island, die den Ausbau des Walfangs empfiehlt, um unter anderem die Erträge der kommerziellen Fischerei zu steigern.

"Just diese Universität Island hat zuvor Geld vom einzigen Finnwalfänger, dem Millionär Kristjan Loftsson, erhalten – und befürwortet nun einen Ausbau der Jagd. Der Hauptautor der Studie ist zudem ein Parteifreund des Fischereiministers. Hier liegt also der Verdacht eines Gefälligkeitsgutachtens sehr nahe", kritisierte Altherr. Kritik an der Studie kam auch von Waltourismus-Unternehmen, die Einbußen durch einen Tourismus-Boykott befürchten. Das Fleisch der Finnwale ist für den Export nach Japan bestimmt, das Zwergwalfleisch wird in Restaurants und Supermärkten verkauft.

Seit Jahren fördere die norwegische Regierung den Ausbau des kommerziellen Walfangs durch wiederholte Quotenerhöhungen für die Jagd auf Zwergwale, durch das schrittweise Lockern der Jagdauflagen und durch Exportgenehmigungen für Walfleisch, so Pro Wildlife. "Norwegen will zeigen, dass man sich in Sachen Nutzung der Meeresressourcen nicht hineinreden lässt. Für 2019 hat Oslo wieder eine erschreckend hohe Fangquote von 1.278 Zwergwalen genehmigt; auch wenn diese Quoten dank widriger Wetterbedingungen und geringem Interesse der Fischer auf ein Zubrot durch den Walfang kaum ausgeschöpft werden", sagte Altherr. Pro Wildlife fordert von der Europäischen Union ein stärkeres Engagement gegen den Walfang in europäischen Gewässern.

Quelle: www.prowildlife.de 


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