Kaiserslautern. - Wie kann der deutsche Energiemarkt sinnvoll gestaltet werden, um CO2-Emissionen zu senken? Ist es effektiver erneuerbare Energien finanziell zu fördern oder CO2 zu besteuern? Diesen Fragen sind Forscher um den Kaiserslauterer Wirtschaftswissenschaftler Dr. Mario Liebensteiner nachgegangen. Sie haben dafür ein statistisches Modell entwickelt, mit dem sie relevante Daten zum Strommarkt in Deutschland mit denen in Großbritannien verglichen haben. Seit der Einführung einer CO2-Steuer nur für den Strommarkt sind dort die Emissionen zwischen 2012 und 2017 um rund 55 Prozent gesunken. Auch Deutschland könnte so seine Emissionen drastisch mindern, haben die Forscher berechnet.

Deutschland ist Teil des europäischen Handelssystems für Emissions-Zertifikate, dem European Union Emission Trading System, kurz EU ETS. "Die Kosten, die hierbei pro Tonne Kohlendioxid entrichtet werden, sind jedoch weitgehend zu günstig, um Emissionen signifikant zu verdrängen. Sie lagen während unserer Untersuchung gerade einmal bei sieben Euro pro Tonne CO2. Effektive Klimapolitik sieht anders aus", sagt Mario Liebensteiner vom Lehrgebiet für Ressourcen- und Energieökonomie an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK). In der Folge gehen die Emissionen nicht zurück.

Großbritannien ist vor ein paar Jahren neue Wege gegangen. Zusätzlich zu der EU-Abgabe hat das Land 2013 eine eigene CO2-Steuer für den Strommarkt eingeführt, die es im Laufe der Jahre zweimal angehoben hat. "Alleine durch die effektive CO2-Bepreisung sind die gesamten Emissionen um rund 30 Prozent, die aus Kohle um etwa 50 Prozent gesunken", so Liebensteiner. Ursächlich dafür sei vor allem die Tatsache, dass es zu einer Verschiebung bei der Stromerzeugung gekommen ist. Waren zuvor Kohlekraftwerke stärker an der Einspeisung von Strom ins Netz beteiligt, seien es mittlerweile Gaskraftwerke. Diese setzen bis zu 60 Prozent weniger Kohlendioxid pro Kilowattstunde frei. Dieses Jahr gab es in Großbritannien sogar eine Woche, in der bei der Stromerzeugung komplett auf Kohle verzichtet werden konnte.

In Deutschland spielen Kohlekraftwerke bei der Energieproduktion hingegen immer noch eine wichtige Rolle. "Obwohl sich Deutschland die höchsten Pro-Kopf-Förderungen für erneuerbare Energien weltweit leistet, sind die Emissionen in den letzten Jahren nur leicht gesunken", sagt Liebensteiner.

Die ökonomische Theorie sage eindeutig, dass Emissionen durch einen adäquaten Preis zu geringsten Kosten verdrängt werden können, wie es in Großbritannien der Fall ist, so Liebensteiner. Subventionierungen wie bei den erneuerbaren Energien in Deutschland seien dagegen wesentlich teurer und wohl auch weniger effektiv. In der Studie hat Liebensteiner zusammen mit seinen beiden Kollegen Professor Dr. Klaus Gugler und Dr. Adhurim Haxhimusa von der Wirtschaftsuniversität Wien untersucht, ob dies wirklich der Fall ist und ob sich diese Annahme auch mit Zahlen belegen lässt. Sie haben dazu mittels eines statistischen Modells und auf Basis relevanter Daten wie beispielsweise CO2-Preis, Preise für Gas und Kohle sowie Wind- und Solareinspeisung die Effekte auf CO2-Emissionen berechnet.

"In unserer Untersuchung verwenden wir zudem die direkt zurechenbaren Kosten der deutschen und britischen Klimapolitiken zusammen mit deren CO2-Verdrängungseffektivitäten", erläutert der Kaiserslauterer Wirtschaftswissenschaftler. "Damit können wir ermitteln, welche durchschnittlichen Kosten notwendig sind, um eine Tonne CO2 zu verdrängen."

Demnach kostet es in Deutschland bei einem Preis von 15 Euro pro Tonne CO2 lediglich 41 Euro, um eine Tonne Kohlendioxid zu verdrängen. "Damit ließen sich bereits 21 Prozent der täglichen Emissionen reduzieren", so Liebensteiner. Auf Basis der derzeitigen deutschen Subventionierung für Wind- und Solarenergie koste es durchschnittlich allerdings 204 Euro, um eine Tonne CO2 durch Windenergie zu verdrängen – für Solarenergie lägen die Kosten sogar bei 979 Euro. "Das liegt daran, dass Solarenergie in Deutschland ineffektiver ist, also weniger CO2 pro erzeugter Stromeinheit verdrängt, jedoch höher gefördert wird", erläutert der Forscher von der TU Kaiserslautern.

Das britische System sei hingegen viel kostengünstiger und setze marktbasierte Anreize. "Bei einem CO2-Preis von 36 Euro je Tonne kostet es nur noch 30 Euro, um eine Tonne CO2 zu reduzieren." Auch die Windenergie sei dort günstiger und effektiver, wobei ihre Kapazität weit unter der in Deutschland liege.

Die Ergebnisse der Studie zeigen laut Liebensteiner, dass auch in Deutschland ein moderater CO2-Preis helfen könnte, die Klimaziele einzuhalten: "Dies wäre günstiger als die derzeitige Subventionierung. Wir könnten in relativ kurzer Zeit bis zu 30 Prozent der Emissionen senken. Durch einen höheren Preis wird Kohlestrom teurer und Gaskraftwerke werden kosteneffektiver." Allerdings stünden in Deutschland derzeit weniger Gaskraftwerke zur Verfügung als in Großbritannien. "Ein CO2-Preis setzt aber auch langfristige Anreize, um Änderungen auf dem Strommarkt vorzunehmen, um etwa an neuen Technologien zu forschen."

Quelle: vwl-re.wiwi.uni-kl.de


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