oxfamBerlin. - Frauen und Mädchen leisten den Löwenanteil unbezahlter Haus-, Pflege- und Fürsorgearbeit – weltweit pro Tag weit über 12 Milliarden Stunden. Dies entspricht einem Gegenwert von über 11 Billionen US-Dollar pro Jahr, würden diese auch nur zum Mindestlohn bezahlt; 24 mal mehr als der Umsatz der Tech-Riesen Apple, Google und Facebook zusammen. Das geht aus der Studie "Time to Care" hervor, die die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums vorgestellt hat.

All dies trägt laut Oxfam dazu bei, dass Frauen im Schnitt schlechter ausgebildet sind als Männer, weniger verdienen und weniger Vermögen besitzen. Gleichzeitig ist nach Angaben des Finanzdienstleisters Bloomberg das Vermögen der 500 reichsten Menschen auf der Welt im Jahr 2019 um 25 Prozent gestiegen. Oxfam fordert mehr Investitionen in Kinderbetreuung, Pflegeeinrichtungen und andere öffentliche Infrastruktur sowie ein gerechtes Steuersystem, um dies zu finanzieren.

Ob Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder für den Haushalt sorgen – für das Wohlergehen von Gesellschaften und das Funktionieren der Wirtschaft sind diese Arbeiten unerlässlich. Doch für Frauen sind sie allzu häufig eine Armutsfalle: Laut Berechnungen der Vereinten Nationen steigt das Risiko von Frauen, in extremer Armut zu leben, wenn sie Kinder gebären, versorgen und großziehen.

Die ungleiche Verteilung der Pflege- und Fürsorgearbeit schafft und verschärft zudem soziale Ungleichheit: Weltweit besitzen Männer 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen. 42 Prozent aller Frauen, aber nur 6 Prozent der Männer im erwerbsfähigen Alter können wegen Pflege- und Fürsorgeaufgaben keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Und in vielen Ländern verdienen Mütter 42 Prozent weniger als Frauen, die keine Kinder haben.

"Diese Zahlen sind Ausdruck eines Wirtschaftssystems, das vor allem für wohlhabende Männer funktioniert", sagte Ellen Ehmke, Analystin für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland. "Weltweit erbringen Frauen und Mädchen jedes Jahr Pflege- und Sorgeleistungen, die das Vermögen der Superreichen bei Weitem übersteigen. Aber während die einen sich zurücklehnen und ihre Dividendenschecks zählen können, taucht die Leistung der anderen nicht einmal in einer Wirtschaftsstatistik auf. Zudem sind sie besonders häufig von Armut und Altersarmut bedroht."

In ländlichen Gebieten armer Länder verbringen Frauen täglich bis zu 14 Stunden mit Pflege- und Fürsorgearbeit. Auch Mädchen müssen dabei häufig mithelfen. Die Klimakrise verschärft diese Situation, weil die Wege zu Wasserstellen länger werden, der Anbau von Gemüse schwieriger wird und Krankheiten wie Malaria und Cholera zunehmen.

Oxfam fordert massive Investitionen in öffentliche Infrastruktur, die Frauen und Mädchen von unbezahlter Pflege- und Fürsorgearbeit entlasten. In armen Ländern könnten etwa Wasserleitungen und die Versorgung mit regenerativer Energie den Zeitbedarf für die Beschaffung von Wasser und Feuerholz mindern. In reichen Ländern gehe es eher um eine gerechtere Verteilung von Erziehungs- und Betreuungszeiten. Überall bestehe Bedarf an mehr Bildungsangeboten, mehr Kinderbetreuung, besserer und professionellerer Pflege von alten und kranken Menschen. Verfügbarkeit und Qualität von Pflege und Betreuung dürften keine Fragen des Geldbeutels sein, so Oxfam.

Die Bundesregierung sollte ihrer nationalen und internationalen Verantwortung gerecht werden, indem sie mehr in öffentliche Kinderbetreuung und soziale Absicherung in armen Ländern investiert. Es müsse mehr Entwicklungshilfe in öffentliche Kinderbetreuung fließen. Derzeit würden nur zwei Prozent der gesamten Gelder der deutschen Entwicklungszusammenarbeit für Kitas und Grundschulen eingesetzt. Die Quote müsse auf zehn Prozent erhöht werden.

Quelle: www.oxfam.de 


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