worldvisionFriedrichsdorf. - In zehn Jahren hat der Syrien-Konflikt mehr als 600.000 Todesopfer gefordert und schätzungsweise 13 Millionen Menschen vertrieben – mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung vor dem Krieg. Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision hat nun in Zusammenarbeit mit Frontiers Economics einen Bericht veröffentlicht, der auch die wirtschaftlichen Kosten des Konflikts in Syrien abbildet. Nach zehn Jahren Krieg belaufen sich diese geschätzt auf über 1,2 Billionen US-Dollar. Weitere 1,7 Billionen US-Dollar akkumulierte Folgekosten kommen bis 2035 hinzu – unter der günstigsten Bedingung, dass der Krieg heute beendet würde.

Der Bericht "Ein zu hoher Preis: die Kosten des Konflikts für Syriens Kinder" ("Too high a price to pay: the cost of conflict for Syria's children") untersucht die Auswirkungen, die zehn Jahre Krieg auf Syriens Wirtschaftskraft (in BIP) und auf die Kapazitäten der Menschen – das Humankapital - des Landes, hatten. Einen besonderen Fokus legte die Untersuchung auf die Situation der Kinder und Jugendlichen. Die Ergebnisse zeigen, dass der heranwachsenden Generation durch verlorene Bildung und Gesundheit entscheidende Handicaps zugefügt wurden, einschließlich einer um 13 Jahre verringerten Lebenserwartung.

"Wir liefern mit diesem Bericht ein weiteres Argument dafür, warum die Welt es nicht zulassen sollte, dass ein Krieg über 10 Jahre wütet, die Kinder ihrer Grundrechte beraubt und ihre Zukunftsperspektiven zerstört", sagte Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland. "Es entstehen schwindelerregende, generationsübergreifende Kosten. Und es steht fest: ohne bedeutende, nachhaltige Hilfen werden die Kinder nicht in der Lage sein, den Wiederaufbau des Landes wirksam zu unterstützen, sobald der Krieg beendet ist."

World Vision und Frontier Economics veröffentlichten vor fünf Jahren bereits einen Bericht, der davor warnte, dass die wirtschaftlichen Kosten von über 275 Milliarden US-Dollar im schlimmsten Fall bis zum Jahr 2020 auf 1,3 Billionen US-Dollar ansteigen könnten. Die neuesten Untersuchungen zeigen, dass diese Hochrechnungen richtig waren. Bis zum Jahr 2035 werden laut dem aktuellen Bericht außerdem zusätzliche ökonomische Kosten in Höhe von 1,4 Billionen US-Dollar anfallen.

Durch die negativen Auswirkungen des Krieges auf die Gesundheit und die Bildung von Kindern erhöhen sich die noch zu erwartenden Kriegskosten zudem auf 1,7 Billionen US-Dollar nach jetzigem Geldwert. Waffenschmidt: "Was man nicht allein in diesen nüchternen Zahlen ausdrücken kann: die wahren Kosten für die betroffenen Kinder und damit die kommende Generation erfasst man erst, wenn man die traumatischen Erfahrungen, entgangene Schuljahre und den Verlust medizinischer Versorgung sowie ihre geringen Chancen auf einen guten Arbeitsplatz und zerbrochene Träume hinzurechnet. Die Auswirkungen dieser Kosten werden sowohl die wirtschatliche Erholung des Landes vom Krieg als auch die gesellschaftliche Erholung verlangsamen."

Täglich sähen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor Ort Kinder in Syrien, die hungrig sind und frieren. Viele Kinder seien zutiefst verstört durch das, was sie gesehen und erlebt haben. Durch behutsame Therapie und Betreuung versuchten sie denen zu helfen, die beispielsweise aus Angst vor dem Krieg das Laufen verlernt oder sich wegen entstellender Wunden ganz zurück gezogen haben. Bomben-Typen zu bennen fiele vertriebenen Mädchen und Jungen teilweise leichter als ihren Namen zu schreiben. "Wir dürfen nicht zulassen, dass sie in diesem Kreislauf der Gewalt gefangen bleiben", betonte Christoph Waffenschmidt.

Quelle: www.worldvision.de 


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