WWFBrüssel/Bremen (epo). - Die Arktis und die dort heimischen Tierarten sind in wachsendem Maße mit Chemikalien belastet, die niemals in dieser Region produziert oder benutzt worden sind. Wie die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) in einer heute veröffentlichten Studie feststellt, ist die Konzentration der chemischen Substanzen in der Arktis oft höher als in Vergleichsproben aus Ländern, in denen diese Chemikalien produziert werden.

Die englischsprachige Studie mit dem Titel: "Die Spitze des Eisberges: Chemische Vergiftung der Arktis" zeige, dass Luft, Flüsse und Meeresströmungen sowie treibendes Eis und wandernde Tierarten die Chemikalien aus Industrie und Landwirtschaft von ihren weit entfernten Herstellungs- und Einsatzorten in die Polarregion tragen, so der WWF. Sobald die Schadstoffe in die Arktis gelangten, könnten sie z.B. im Polareis gespeichert werden. Während der Eisschmelze, mitunter Jahre später, gebe das Eis diese Fremdstoffe nach und nach an die Umgebung ab. Als Resultat sei die Arktis dabei, zur chemischen Müllhalde der Erde zu werden.

"Besonders beunruhigend ist die Erkenntnis der Studie, dass moderne Chemikalien an den Polen in hoher Konzentration auf solche Substanzen treffen, die bei uns bereits vor Jahrzehnten ausgemustert worden sind, so dass schädliche Kombinationseffekte eintreten können. Wenn die Eisbären nicht als Versuchskaninchen in einem großen chemischen Experiment herhalten sollen, müssen Politiker und Chemische Industrie sich jetzt für eine starke EU-Chemikalienreform REACH einsetzen", sagte Peter Prokosch, Geschäftsführer des WWF Deutschland und ehemaliger Leiter des WWF- Arktisprogramms.

Aktuelle Untersuchungen an Eisbären in der norwegischen und kanadischen Arktis liefern laut WWF Indizien dafür, dass ältere Chemikalien wie Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Organo-Chlor-Pestizide im Organismus der Tiere bereits in Dosierungen vorkommen, die ihr Hormon- und Immunsystem sowie ihre Fortpflanzung beeinträchtigen können. Viele der neueren Chemikalien, die nun die Arktis erreichen, seien zu ähnlichen Effekten in der Lage. Die möglichen Wechsel- und Kombinationswirkungen seien nicht erforscht.

Verschärft wird dieses Problem aus der Sicht des WWF dadurch, dass viele arktische Tiere wie Robben, Wale und Eisbären sich mit einer dicken Fettschicht vor der Kälte schützen. Dieser "Winterspeck" sei das ideale Depot für fettlösliche Chemikalien, die sich hier zu sehr hohen Konzentrationen anreichern.

Die Studie zeige weiterhin, dass chlorierte Paraffine, die beispielsweise in Farben, Klebstoffen, Leder und in der Gummiverarbeitung verwendet werden, in norwegischen Kegel- und Ringelrobben, in Beluga-Walen, Walrossen, Fischen, Vögeln und Meeressedimenten gefunden wurden, so der WWF. Bromierte Flammschutzmittel und Fluorchemikalien, von denen viele äußerst unzureichend gesetzlich geregelt seien, belasteten bereits Eisbären, Wale, Polarfüchse, Robben, Schweinswale und Vögel von Grönland bis Schweden. Zu bromierten Flammschutzmitteln gebe es beispielsweise in der Computerindustrie heute schon gute Alternativen. Neben der Tier- und Pflanzenwelt würden diese vor allem den indigenen Völkern der Arktis nützen.

WWF Deutschland


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