Bochum (epo.de). - Klimaschutz und Wirtschaftswachstum scheinen nicht gut zusammenzupassen, weil Wachstum einen höheren Ausstoß von Treibhausgasen verursacht. Wie es in Entwicklungsländern trotzdem gelingen kann, beides miteinander zu verbinden, hat eine Bochumer Wissenschaftlerin untersucht. Ihr Fazit: Durch den frühen Einsatz moderner, umweltfreundlicher Technologien können Entwicklungsländer einen Weg der Nachhaltigkeit gehen. Dabei stehe nicht eine absolute Reduktion des Treibhausgasausstoßes, sondern eine Reduzierung der Intensität des Ausstoßes im Vordergrund.

Birte Pohl hat die Thematik in ihrer Diplomarbeit "Internationale Klimaschutzabkommen, Nachhaltigkeit und Entwicklungsländer" am Lehrstuhl für Internationale Wirtschaftsbeziehungen  untersucht. Der Klimawandel hat die Diskrepanz zwischen Industrie- und Entwicklungsländern in jüngster Zeit wieder zunehmend in die öffentliche Diskussion gerückt. Während die Verantwortlichkeit für die den Klimawandel verursachenden historischen Treibhausgasemissionen maßgeblich bei den Industrieländern liegt, sind Entwicklungsländer am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen.

Wenn die Entwicklungsländer "aufholen", d.h. ihren Lebensstandard verbessern und sich den Industrienationen annähern wollen, benötigen sie ein starkes Wirtschaftswachstum. Das allerdings führt durch einen zunehmenden Energieverbrauch zu einer Erhöhung der Emissionen von Treibhausgasen. So hat das starke Wirtschaftswachstum einiger Entwicklungsländer in den letzten Jahren erheblich zur Steigerung der Treibhausgas-Konzentration beigetragen. Während sich Industrieländer im Kyoto-Protokoll zu einer absoluten Emissionsreduktion verpflichtet haben, unterliegen Entwicklungsländer keiner solchen Verpflichtung.

"Eine Wiederholung des Entwicklungsmodells der Industrieländer durch Entwicklungsländer würde die Belastbarkeit der Erde jedoch bei weitem überschreiten", erklärt Birte Pohl. "Daher ist es notwendig, Entwicklungsländer schrittweise in die internationalen Klimaschutzanstrengungen einzubeziehen. Allerdings befürchten die Entwicklungsländer, dass dadurch ihr wirtschaftliches Wachstum beeinträchtigt werden könnte."

Im Gegensatz zu Industrieländern ist es Entwicklungsländern zumeist nicht möglich, den technischen Fortschritt aus eigener Kraft voranzutreiben, da sie im Vergleich zu Industrieländern durch einen niedrigeren Lebensstandard und zum Teil durch erhebliche Armut gekennzeichnet sind. "Da technischer Fortschritt im Wesentlichen durch Industrieländer generiert wird, ist die Verbreitung dieser klimafreundlichen Innovationen in Entwicklungsländer von zentraler Bedeutung", so Birte Pohl.

Um diese Verbreitung zu beschreiben, bedient sie sich der endogenen Wachstumstheorie. In den theoretischen Ausführungen der Arbeit zeigt sie auf, dass technischer Fortschritt der langfristige Wachstumstreiber einer Volkswirtschaft ist, wodurch Armut reduziert und die Lebensbedingungen verbessert werden können. Anschließend stellt sie dar, auf welche Weise sich moderne Technologien von Industrieländern in Entwicklungsländer verbreiten können (Technologietransfer). Der Transfer von Technologien kann beispielsweise durch internationalen Güterhandel oder ausländische Direktinvestitionen erfolgen. Im Kyoto-Protokoll wird mit dem Clean Development Mechanism (CDM) eine weitere Möglichkeit zum Technologietransfer eröffnet, da er für Industrieländer Anreize zur Investition in klimafreundliche Projekte in Entwicklungsländern bietet, so Birte Pohl.

"Es zeigt sich, dass Entwicklungsländer beim Einsatz modernen Wissens die Möglichkeit haben, die nicht nachhaltigen Entwicklungspfade der Industrieländer zu umgehen und früher klimafreundliche Technologien in der Produktion einzusetzen", fasst Birte Pohl zusammen. Durch die Übernahme moderner, klimafreundlicher Technologien können sie ein andauerndes Wirtschaftswachstum bei Begrenzung des Emissionswachstums realisieren, um so einen nachhaltigen Entwicklungspfad einzuschlagen.

"Die klimapolitische Herausforderung für Entwicklungsländer besteht folglich in einer Reduktion der Emissionsintensität des wirtschaftlichen Wachstums und nicht in einer absoluten Emissionsreduktion." Der Schwerpunkt zukünftiger Verhandlungen über den Beitrag von wachstumsstarken Entwicklungsländern zum internationalen Klimaschutz sollte daher nicht in der Formulierung absoluter Reduktionsziele liegen, sondern in der Festlegung von Maßnahmen, die eine Entkopplung von Wirtschafts- und Emissionswachstum gewährleisten.

www.ruhr-uni-bochum.de


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