Dif?mTübingen/Bielefeld (epo.de). - Ein breites Bündnis von Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) hat die Entscheidung der Pharmafirma Abbott kritisiert, die Zulassung von sieben neuen Medikamenten, davon eines zur HIV/Aids-Behandlung, für Thailand zurückzuziehen. Damit stelle Abbott den Zugang  vieler Tausend Aidspatienten zur verbesserten adäquaten Behandlung in Frage, erklärten die NRO. Sie forderten Ärztinnen und Ärzte auf zu prüfen, ob sie Vertreter der Firma Abbott weiterhin empfangen und Abbott-Präparate weiter verordnen möchten.

In Thailand werden nach Angaben der NRO, darunter Difäm und die BUKO-Pharmakampagne, derzeit weniger als ein Viertel der 580.000 Menschen, die mit HIV infiziert sind, mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Immer mehr Menschen benötigten die kostspieligen Präparate der zweiten Generation - aber weder die Aidskranken selbst noch die Regierung könnten sie finanzieren. Deshalb erwirkte Thailand Zwangslizenzen gegen drei Hersteller von Medikamenten, um die Kosten durch günstigere Generika drastisch senken zu können. Zwangslizenzen sind als Schutzrechte ausdrücklich nach Welthandelsrecht erlaubt, sie ermöglichen die preisgünstigere Herstellung oder den Import von patentgeschützten Medikamenten.

Als Reaktion auf die Zwangslizenzen zog die Firma Abbott im März die bereits beantragte Zulassung von sieben neuen Präparaten in Thailand zurück. Dies betrifft u. a. die neue hitzestabile Tablettenversion von Kaletra? Aluvia?. Sie sei einfacher als das bisher verwendete Kaletra? einzunehmen und könne auch dort eingesetzt werden, wo es keine Kühlmöglichkeiten gibt, so die NRO. Die neue Tablette sollte ursprünglich im Sommer in Thailand verfügbar werden. Albert Petersen, Leiter der Difäm-Arzneimittelhilfe: "Dies ist ein deutliches Signal der Abstrafung durch Abbott - und warnt andere Länder, keinesfalls dem Beispiel von Thailand zu folgen. Aber da die thailändische Regierung mit der Zwangslizenz legal handelte, ist der von der Firma ausgeübte Druck auf die dortige Regierung nicht hinnehmbar."

Sofort nach Bekanntgabe der Rücknahme neuer Zulassungsanträge durch Abbott begann ein weltweiter Protest von Aidsverbänden, ärztlichen Organisationen und Nicht-Regierungsorganisationen in Thailand, den USA und anderen Ländern, die Abbott zum Einlenken aufforderten. Dies veranlasste die Firma, den Preis des Aidspräparates zu senken. Aber laut Aussage der Initiatoren des Appells geht diese Zusage nicht weit genug. Abbott habe den Druck auf die thailändische Regierung, die Zwangslizenz aufzuheben, nicht zurückgenommen.

Der Appell wird in Deutschland getragen von: Aktionsbündnis gegen AIDS, action medeor, BUKO Pharma-Kampagne, Difäm, medico international, MEZIS e.V., Misereor, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges - Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte, Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten.

www.difaem.de
www.bukopharma.de


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