GfbVGöttingen/Berlin (epo.de). - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat an Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, bei ihrer Grönlandreise den Inuit-Ureinwohnern Hilfe der G8-Staaten bei der Bewältigung der Folgen der Klimakatastrophe anzubieten. "Ihre Reise darf nicht nur Show-Effekt haben, sondern muss den Inuit auch konkret helfen, da sie die ersten Opfer der Klimakatastrophe sind", heißt es in einem Schreiben der GfbV an die Kanzlerin.

Die GfbV hält eine bessere medizinische Betreuung der 60.000 in Grönland lebenden Inuit für dringend erforderlich, da durch das Schmelzen des Eises nun viele Schadstoffe freigesetzt würden, die vorher "eingefroren" waren. Merkel und Umweltminister Sigmar Gabriel wollen sich am Donnerstag in Grönland über die Folgen des Klimawandels informieren. Zuvor hatten dort in den letzten Wochen bereits Italiens Ministerpräsident Romano Prodi, der Präsident der EU-Kommission Jos? Manuel Barroso sowie die US-Politiker Nancy Pelosi und John McCain einen eigenen Eindruck von den Konsequenzen der Eisschmelze gewonnen.

Die GfbV erinnerte daran, dass sie die Bundeskanzlerin bereits im Herbst 2006 darum gebeten habe, sich während des deutschen G8-Vorsitzes dafür einzusetzen, dass die Industrieländer das Recht der indigenen Völker der Arktis und Subarktis auf Nahrung, sauberes Wasser, angemessenes Wohnen und auf Respektierung ihrer traditionellen Landrechte und Kultur beachten.

Obwohl Tausende GfbV-Mitglieder den Appell mit Briefen und Postkarten unterstützten, hätten sich die G8-Staaten nicht für den Schutz der Rechte indigener Völker eingesetzt, kritisierte die GfbV. Im Gegenteil, nun heizten diese Industrieländer mit ihrem Run auf die Bodenschätze den Ausverkauf der Rechte der Ureinwohner weiter an. In den letzten Tagen hatten die G8-Staaten Russland, USA und Kanada ihre Gebietsansprüche in der Arktis und ihr Interesse an einem Abbau der Rohstoffe mit Expeditionen betont. Mit ihrem Wettlauf um Ressourcen gefährdeten diese Länder das Überleben der 400.000 Ureinwohner, die seit Jahrhunderten in der Arktis lebten, so die GfbV.

"Die Inuit in Grönland leiden heute weltweit am meisten unter den Folgen des Klimawandels", erklärte die GfbV. Die dramatische Eisschmelze gefährde nicht nur die Nahrungsgrundlage der traditionell von der Jagd und vom Fischfang lebenden Ureinwohner, sondern auch deren Kultur und Identität.

So werde die Jagd durch unstetiges Wetter, zu hohe Temperaturen, Eisschollen und den dramatischen Rückgang von Tierarten (Eisbären, Robben und Walrosse) immer schwieriger. Nach dem Willen der grönländischen Regierung sollen die Inuit daher verstärkt Fischfang betreiben. Doch weil durch den Klimawandel Umweltgifte freigesetzt werden, die bislang im Eis gebunden waren, sei Fisch oft erheblich mit Quecksilber, PCB und anderen Giftstoffen belastet. So werde Inuit-Frauen in Gesundheitszentren inzwischen davon abgeraten, ihre Kleinkinder zu stillen, da sich die Giftstoffe zu stark in ihrer Muttermilch konzentrieren.

www.gfbv.de


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