Thunfisch-Fangflotte im Mittelmeer. Foto: WWFHamburg (epo.de). - Die Kapazität der Fangflotten, die im Mittelmeer auf der Jagd nach dem begehrten und bedrohten Roten Thunfisch sind, liegt nach Angaben einer neuen WWF-Studie um nahezu das Vierfache über dem Niveau einer nachhaltigen Fischerei. Wissenschaftler empfehlen, nicht mehr als 15.000 Tonnen Roten Thun pro Jahr zu fangen, so der WWF. Die Flotte könne jedoch 55.000 Tonnen aus dem Meer holen.

"Das ist ein wirtschaftlich und ökologisch krankes System. Immer mehr High-Tech-Boote machen Jagd auf immer weniger Thunfisch", erklärte Sergi Tudela vom WWF-Mittelmeerprogramm. Angesichts der Überfischung drohe ein Kollaps der Thunfischbestände.

Die größten Überkapazitäten haben laut der WWF-Studie die Türkei, Italien, Kroatien, Libyen, Frankreich und Spanien. "Es gibt fast 300 Fischtrawler zuviel im Mittelmeer", so WWF-Expertin Karoline Schacht. Doch Politik und Industrie würden die Thunfisch-Krise weiterhin ignorieren. Statt die Flotte zu verkleinern, würden derzeit sogar noch 25 neue hochmoderne Fangschiffe gebaut.

Allein um die Betriebskosten der aktuellen Flotte zu decken, müssten etwa 42.000 Tonnen Thunfisch gefangen werden, kritisiert der WWF. "Diese enorme Überkapazität hat fatale Folgen. Die Politik beschließt zu hohe Fangquoten, um das System zu stützen. Und zusätzlich blüht die illegale Fischerei. Um zu überleben, sind die Fischer gezwungen, den Thunfisch zu plündern. So fischen sie sich arbeitslos", sagte Schacht.

Der WWF beschuldigt unter anderem Italien, illegale Praktiken zu decken. Die Italiener würden offiziell angeben, immer weniger Thunfisch zu fangen - dabei wachse die Flotte. Allein Italien müsste 30 Fischtrawler verschrotten, um auf ein nachhaltiges Fangniveau zu kommen. "Auch Kroatien, Spanien und Libyen scheinen ihre tatsächlichen Fangmengen zu verschweigen", berichtete der WWF.

Der Rote Thunfisch (Thunnus thynnus, auch: Atlantischer- oder Blauflossen-Thun) im Mittelmeer gilt als bedroht. Seit den 1970er Jahren sind seine Bestände an den wichtigen Laichplätzen um fast die Hälfte geschrumpft. Seit Jahren ignorierten Fischindustrie und Politik wissenschaftliche Empfehlungen, die Fangquoten drastisch zu senken, so der WWF. So hätten Experten für 2008 eine Halbierung der Quote auf 15.000 Tonnen empfohlen - tatsächlich dürften in der im April beginnenden Saison jedoch 29.000 Tonnen legal gefangen werden.

Der wegen seines edlen Fleisches besonders teure Rote Thunfisch wird vor allem in Japan und Europa konsumiert. Auch auf dem deutschen Markt spielt er eine Rolle - etwa in Sushi oder Sashmi-Gerichten. Hingegen wird Roter Thunfisch nicht in Dosen angeboten.

[Foto: ? Thunfisch Fangflotte im Atlantischen Ozean. Copyright ? by WWF-Canon / H?l?le Petit]

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