Klimagespräche in BangkokBangkok (epo.de). - Die Klimaverhandlungen in Bangkok sind nach einer Woche erfolgreich abgeschlossen worden. Man habe sich auf einen Zeitplan für den Verhandlungsprozess geeinigt, der zu einem langfristigen Klimaabkommen in zwei Jahren in Kopenhagen führen solle, sagte der Exekutivsekretär der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), Yvo der Boer, nach Abschluss der Gespräche in Bangkok. Germanwatch kommentierte, Bangkok markiere den Start ernsthafter Verhandlungen über ein neues Klimaabkommen. Der Fahrplan für die UN-Klimaverhandlungen stehe, er sei aber "noch nicht ambitioniert genug".

"Der Zug nach Kopenhagen hat den Bahnhof verlassen", sagte Yvo der Boer vor der Presse in Bangkok. Die Delegierten aus 162 Ländern hätten die kritischen Verhandlungspunkte so weit aufgeschlüsselt, dass man künftig in einer effektiven Art und Weise verhandeln könne. Die Vertragsparteien würden die Themen Anpassung an den Klimwandel, dessen Entschärfung, den Transfer von Technologien zu den ärmeren Ländern und Finanzfragen stets zueinander in Beziehung setzen, um in künftigen Konferenzen Fortschritte erzielen zu können. Er sei froh, dass kritische Fragen bereits in diesem frühen Stadium angesprochen worden seien, sagte de Boer.

Die Verhandlungen in Bangkog waren laut Germanwatch geprägt vom Konflikt darüber, welche künftigen Ziele realistisch seien. Eine Gruppe von Staaten - vor allem Japan, die USA und Saudi-Arabien - hätten "Realismus" mit der Parole übersetzt: "bitte keine ambitionierten Reduktionsziele für Treibhausgase". Japan habe zudem schärfere Maßnahmen von den Schwellenländern gefordert, als in der Klimakonferenz von Bali 2007 vereinbart wurde, was zu einem tagelangen Stillstand der Verhandlungen führte. "Diese Verhandlungsstrategie darf den G8-Gipfel im Juli in Japan nicht bestimmen", sagte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

Andere Staaten, insbesondere die kleinen Inselstaaten, die Gruppe der besonders verwundbaren ärmsten Entwicklungsländer sowie etwa Norwegen und die EU hielten offenbar dagegen. So habe der Verhandlungsleiter von Bangladesch, das vom steigenden Meeresspiegel besonders bedroht ist, erklärt: "Realismus? Unsere Realität ist, dass unser Land Ende des Jahrhunderts zum großen Teil nicht mehr existieren wird, wenn der Klimawandel ungebremst voranschreitet."

"Auch viele Inselstaaten haben deutlich gemacht, dass ein ungebremster Klimawandel ihr Existenzrecht in Frage stellt", sagte Sven Harmeling, Klima-Experte bei Germanwatch. "Der Schutz solcher Staaten ist eine zentrale Messlatte für den Erfolg der Verhandlungen."

Es sei den Vertragsstaaten immerhin gelungen, sich auf einen konkreten Zeitplan für die UN-Klimaverhandlungen der nächsten Monate zu verständigen, so Germanwatch. Bis zum UN-Klimagipfel in Poznan im Dezember 2008 werde es zwei weitere Verhandlungsrunden geben, die nächste im Juni in Bonn. Ende 2009 soll das Abkommen in Kopenhagen vereinbart werden, Anfang 2013, nach Auslaufen des derzeitigen Kyoto-Protokolls, soll es in Kraft treten.

"Jedes Land weiß jetzt, wann es zu welchem Thema konkrete Ideen auf den Tisch zu legen hat. Auch NGOs können Vorschläge offiziell einbringen. Aber wir haben auch gesehen, dass die Regierungschefs das Thema zur Chefsache machen müssen, wenn 2009 tatsächlich ein ambitioniertes Abkommen herauskommen soll", kommentierte Bals. "Sonst besteht nach wie vor die Gefahr, dass sich die Experten immer wieder im Klein-Klein verkeilen."

Den konstruktivsten Höhepunkt der Verhandlungen stellte aus der Sicht von Germanwatch ein umfassender Vorschlag Mexikos für einen multinationalen Klimafonds dar. Dieser habe drei Ziele: Er solle erstens Klimaschutzaktivitäten in Entwicklungsländern fördern. Zweitens sollten auch die Bemühungen, sich auf die Konsequenzen des Klimawandels in den am stärksten betroffenen Staaten einzustellen, unterstützt werden. Ebenso solle drittens der Technologietransfer gefördert werden. Insgesamt solle damit der Fonds das finanzielle Rückgrat des neuen UN-Klimaabkommens darstellen. Alle Staaten - ausgenommen die ärmsten Entwicklungsländer - sollen nach Kriterien wie Treibhausgasemissionen, Bevölkerungszahl und Reichtum Gelder in den Fonds einzahlen. Damit würden erstmals auch Schwellenländer finanziell für den Klimaschutz in die Pflicht genommen.

"Erfreulich ist darüber hinaus, dass Indien konkrete Vorschläge für einen weit reichenden und fairen Klimaschutz ins Gespräch gebracht hat. Das ist weit konstruktiver als das bisherige Nein zu mehr Klimaschutz im eigenen Land", sagte Christoph Bals. Die EU habe eine konstruktive Rolle unter den Industrieländern gespielt. "Dies zeigt, dass durchaus einige Länder verstanden haben, dass jetzt die ernsthaften Verhandlungen begonnen haben. Doch alle sind nun dazu aufgefordert, ihre Vorstellungen und Erwartungen zu konkretisieren."

» http://www.unfccc.int/
» http://www.germanwatch.org/


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