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Berlin (epo.de). - Die Agrartreibstoff-Politik der Industrieländer hat nach einem neuen Bericht der Hilfsorganisation Oxfam mindestens 30 Millionen Menschen in die Armut getrieben. Die Biosprit-Quotierung sei zu gut 30 Prozent am aktuellen weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise beteiligt, heißt es in einem neuen Oxfam-Bericht mit dem Titel "Another Inconvenient Truth", der am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde.

"Die Agrartreibstoff-Politik der Industrieländer verschärft Hunger und Armut auf der Welt. Die Bundesregierung verharmlost die negativen Auswirkungen dieser Politik. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel muss sich in Brüssel für die Zurücknahme des EU-weiten Zehn-Prozent-Ziels für Agrosprit einsetzen. Bleibt das Ziel, wird sich die Nahrungsmittelkrise noch deutlich verschlimmern. Das wäre verantwortungslose Politik auf dem Rücken hungernder Menschen", sagte Jan Kowalzig, Klima-Experte bei Oxfam Deutschland.

Der Oxfam-Bericht zeigt, wie stark die Industrieländer den Ausbau ihrer Agrartreibstoff-Produktion forcieren. Im vergangenen Jahr haben sie Oxfam zufolge dafür bis zu 15 Milliarden US-Dollar an Subventionen ausgegeben. "Wer in den Industrieländern Agrartreibstoffe anbaut, kann sich über enorme Vergünstigungen freuen: Es winken Steuerbefreiungen, Zollsenkungen und Subventionen", erklärte Kowalzig. Immer mehr Landwirte würden daher Agrartreibstoffe statt Nahrungsmitteln produzieren. Als Folge seien die Getreidereserven so gering wie nie zuvor.

Auch dem Klimaschutz erweist diese verfehlte Politik einen Bärendienst. Für den Agrosprit-Boom werden weltweit Wälder und Sümpfe in Ackerflächen umgewandelt. Dies setzt gewaltige Mengen an Treibhausgasen aus diesen natürlichen Speichern frei. In die Bilanz einbezogen werden müssen laut Oxfam auch die indirekten Effekte: wenn z.B. durch die konkurrierende Agrosprit-Produktion der Anbau von Nahrungsmitteln in Regenwaldgebiete verdrängt wird. Damit erzeuge etwa der Anbau von Palmöl bis zu 70mal mehr Emissionen, als durch den Einsatz von Palmöl als Agrartreibstoff in der EU eingespart würde.

"Wenn Sigmar Gabriel mehr Klimaschutz auf Deutschlands Straßen möchte, sollte er nicht auf eine Politik setzen, welche die Zerstörung auch der letzten Regenwälder vorantreibt. Er sollte es vielmehr unterlassen, zum Schutze der deutschen Autohersteller die in Brüssel diskutierten Effizienzstandards für Autos zu verwässern", sagte Kowalzig.

Oxfam-Bericht "Another Inconvenient Truth"

www.oxfam.de

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