Ilisu-Staudamm

Berlin (epo.de). - Am Tigris in der Türkei (Mesopotamien) soll der Ilisu-Staudamm entstehen. Rund 65.000 Menschen, so befürchten Menschenrechtler und Umweltschützer, würden ihre Heimat verlieren und antike Kulturschätze wie die seit 10.000 Jahren bewohnte Stadt Hasankeyf im Stausee versinken. Die deutsche Regierung hat eine Exportbürgschaft für das Projekt übernommen. Hintergründe des Projektes beleuchtet ein Dokumentarfilm, der am Donnerstag in Berlin deutschlandweit an den Start geht. 

Im Beisein des Grünen-Europaabgeordneten Cem Özdemir und des Berliner Abgeordneten Evrim Helin Baba (Die Linke) wird am Donnerstag, 04.09.2008, um 19.30 Uhr im Kino Babylon, Rosa-Luxemburg-Str. 30, der Film "Und Macht euch die Erde untertan" als Deutschlandstart gezeigt.

Der Film entstand im Rahmen der Kampagne "Rettet Hasankeyf – Stop Ilisu" und thematisiert die Hintergründe des Bauvorhabens, das zu den umstrittensten der Welt gehört. "Die entscheidende Rolle bei dem Projekt", so die Filmemacher, "spielen Deutschland, Österreich und die Schweiz: Abgesichert mit Kreditbürgschaften dieser drei Länder, finanziert mit zinsgünstigen Krediten von deren Banken, gebaut durch deren Unternehmen - ein Projekt, das in Europa niemals genehmigt würde!"

Das Tigristal rund um die Stadt Hasankeyf ist eine beeindruckende und bedeutende Kultur- und Naturlandschaft. In diesem so genannten Zweistromland liegen einige Wurzeln der westlichen Zivilisation. Seit rund zehn Jahren protestieren Betroffene, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen gegen die humanitären, ökologischen und politischen Auswirkungen des Projektes.

Der Film zeigt die wertvolle ökologische und kulturelle Landschaft in Mesopotamien. Etwa 400 Kilometer des Tigris und seiner Nebenflüsse würden im Falle der Umsetzung zerstört, befürchten Umweltschützer. Unterhalb des Dammes würden künstliche Flutwellen das Ökosystem vernichten, einen Lebensraum für zum Teil weltweit bedrohte Arten und für eine bislang wenig erforschte Flora und Fauna.

Mehr als 300 bekannte archäologische Fundstätten würden vernichtet, darunter die malerische antike Stadt Hasankeyf, in deren Umfeld sich 23 Kulturen verewigt haben, ganz zu schweigen von vermuteten, aber noch unbekannten Stätten aus 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte.

Zigtausende Menschen müssten ihre Heimat verlassen, Siedlungen und wertvolles Ackerland würden geflutet. Der Plan steht zudem im Widerspruch zu internationalen Abkommen, da die Nachbarstaaten Syrien und der Irak nicht konsultiert wurden. Außerdem würden die ethnischen Konflikte in Anatolien durch den Bau verschärft. Der Baubeginn wurde schon mehrmals öffentlich verkündet und erste Bauvorbereitungsmaßnahmen werden aktuell allen Protesten zum Trotz schon umgesetzt. Doch noch kann das Bauvorhaben gestoppt und die Region gerettet werden.

Film-Trailer auf YouTube

 


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