Werbung für Biokraftstoffe.

Bonn/Stuttgart (epo.de). - Agrar-, Entwicklungs- und Umweltexperten evangelischer Organisationen plädieren in einer am Freitag veröffentlichten Studie dafür, "die vorhandenen natürlichen Grenzen der energetischen Nutzung von Biomasse weltweit zu respektieren und dabei klare Prioritäten zu setzen". Oberste Priorität müsse das Menschenrecht auf Nahrung haben, heißt es in einer Erklärung zu der Studie, die den Titel "Energie vom Acker - Wie viel Bioenergie verträgt die Erde" trägt.

"Agrotreibstoffe können negative Klima- und Ökobilanzen aufweisen. Durch den Einsatz bereits marktreifer Technologien lassen sich die EU-Klimaschutzziele im Kraftfahrzeugsektor wesentlich effektiver erreichen. Deshalb fordern wir einen Ausstieg aus dem EU-Ziel einer zehnprozentigen Beimischungsquote von Agrotreibstoffen bis 2020, sowie eine schrittweise Rücknahme der derzeitigen Beimischungsquoten," sagt Wilfried Steen, Vorstand des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED).

Durch den Energiepflanzenanbau verschärfen sich die Konflikte um natürliche Ressourcen wie Boden und Wasser. Die Zerstörung unwiederbringlicher Lebensräume wie Regenwälder oder Feuchtgebiete seien die Folge, so die Experten. Die für die Beimischungsquoten in Europa erforderlichen Anbaumengen von Agrotreibstoffen könnten in Europa selbst nicht gedeckt werden. In Ländern des Südens aber fänden bisher keine Prüfungen statt, ob die Flächenausdehnung für den Energiepflanzenanbau sozial- und umweltverträglich ist, oder sich mit dem Recht auf Nahrung der heimischen Bevölkerung vertragen.

"Faktisch kommt es wegen der weltweit mittlerweile heftigen Flächenkonkurrenz zu massiven und gewaltsamen Landvertreibungen von Kleinbauern", heißt es in der Erklärung der Organisationen. Außerdem trage der Energiepflanzenanbau zu Preissteigerungen von Lebens- und Futtermitteln bei. "Das alles verstärkt die Hungerkrise. Der Hunger nach Nahrung sollte aber unsere Hauptsorge sein, nicht der Hunger nach Energie," so Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von "Brot für die Welt".

Bei aller Kritik an der Bioenergie plädiert Maren Heinke, Ausschuss der Dienste auf dem Lande (ADL), dafür, die weltweit vorhandenen Potenziale der nachhaltigen lokalen Bioenergienutzung in den Bereichen Wärme- und Stromerzeugung zu nutzen. "Als Übergangstechnologie kann etwa zehn Prozent des Weltenergiebedarfs durch Biomasse erzeugt werden. Bei einer Nutzung von landwirtschaftlichen Abfall- und Reststoffen entsteht keine Bedrohung der Ernährungssicherung." Der Ausbau lokal angepasster Technologien der Bioenergienutzung wie verbesserte Holzherde oder Biogasanlagen könne zur Überwindung der Energiearmut in Entwicklungsländern beitragen.

Zum Klimaschutz sind aus der Sichte der evangelischen Experten Energieeinsparung und die Steigerung der Energieeffizienz die wirksamsten Maßnahmen, nicht die Verwendung von Agroenergie. Hier seien die Kirchen als Vorbild gefordert.


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