Kinderspeisung in Afrika. Foto: Brot für die Welt/Ursula DornbergerBerlin (epo.de). - Die internationale Staaten-Gemeinschaft hat nach Auffassung von "Brot für die Welt" und FIAN bei der Hungerbekämpfung versagt. Die Weltbank und die Welternährungsorganisation FAO setzten bei ihren Programmen fast ausschließlich auf Produktionssteigerungen, kritisierten die NGOs am Montag in Berlin. Eine Rekordernte im vergangenen Jahr habe aber nicht verhindert, dass die Zahl der Hungernden auf mehr als eine Milliarde Menschen anstieg. Die Organisationen fordern eine grundlegende Refom der internationalen Ernährungsarchitektur.

"Zwischenstaatliche Organisationen verteilen Nahrungsmittel, Hybridsaatgut und Kunstdünger. Auf der anderen Seite verschärfen die Industrieländer ihre ungerechte Handelspolitik und tun nichts gegen den skandalösen Ausverkauf von Land in Afrika", erklärt Ute Hausmann, Geschäftsführerin der Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland.

Trotz einer Rekordernte im vergangenen Jahr sei die Zahl der Hungernden auf über eine Milliarde Menschen gestiegen. "Deshalb ist es unbegreiflich, dass die Weltbank und die Welternährungsorganisation FAO in ihren Programmen fast ausschließlich auf Produktionssteigerung setzen", sagte Hausmann. "Diese Programme wirken als Konjunkturpakete für die Saatgut- und Düngerindustrie, helfen aber nicht den Hungernden."

Hunderttausenden Kleinbauern, Indigenen und Hirten in Afrika droht laut Hausmann die Vertreibung, wenn ihre Landrechte gerade gegenüber Großinvestoren nicht gestärkt werden. "Stattdessen forciert die Weltbank die Privatisierung von Land im Interesse dieser Investoren". Hausmann kritisiete auch die Handelspolitik der Europäischen Union scharf: "Von Entwicklungsländern fordert die EU Marktöffnung, während sie selbst ungeniert Exportsubventionen wieder einführt."

Einen Monat vor dem Welternährungsgipfel in Rom forderten "Brot für die Welt" und FIAN eine grundlegende Reform der internationalen Ernährungspolitik. "Das UN-Komitee für Welternährung (CFS) muss die Koordination, Strategiebildung und Überwachung der Welternährungspolitik übernehmen", erklärte Bernhard Walter, Ernährungsexperte bei der evangelischen Hilfsaktion "Brot für die Welt". "Das Recht auf Nahrung muss Arbeitsgrundlage sein und die Basisbewegungen aus Entwicklungsländern stärker einbezogen werden".

Die NGOs sprachen sich auch gegen eine stärkere Rolle der Weltbank bei der Hungerbekämpfung aus. Auf dem G 20-Gipfel in Pittsburgh hatte die US-Regierung gefordert, die von den G8 zugesagten 20 Milliarden US-Dollar für die Landwirtschaftsentwicklung einem Trust Fund der Weltbank zu übertragen. "Die EU muss solchen Versuchen, die Vereinten Nationen im Bereich Welternährung finanziell auszutrocknen, entschieden entgegentreten", sagte Walter. "Es kann nicht sein, dass Stimmrechte bei Entscheidungen zur Ernährungspolitik nur von den finanziellen Beiträgen abhängen, wie das bei der Weltbank der Fall ist".

Die Organisationen verlangen eine grundlegende Reform der internationalen Ernährungsarchitektur unter dem Dach der Vereinten Nationen. "Das Menschenrecht auf Nahrung muss der klare Arbeitsauftrag sein", so Bernhard Walter.

Foto: Kinderspeisung in Afrika © Brot für die Welt/Ursula Dornberger

www.fian.org
www.brot-fuer-die-welt.de

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