transparencyBerlin (epo.de). - Somalia, Afghanistan und Myanmar sind die Länder, in denen weltweit am meisten Korruption wahrgenommen wird. Das geht aus dem Korruptions-Wahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) 2009 von Transparency International (TI) hervor, der am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde. Die an korrupten Geschäften beteiligten Unternehmen hätten aber häufig ihren Sitz in Industriestaaten, ebenso wie Finanzzentren, in denen durch Korruption erlangte Gelder versteckt werden können, warnt TI.

Der CPI misst den Grad der bei Beamten und Politikern wahrgenommenen Korruption. Die Mehrzahl der 180 untersuchten Länder erzielte TI zufolge auf einer Skala von 0 (als sehr korrupt wahrgenommen) bis 10 Punkten (als wenig korrupt wahrgenommen) weniger als fünf Punkte. Der Index stützt sich auf verschiedene Experten- und Unternehmensumfragen.

Die Schlusslichter des Index seien hauptsächlich durch Kriege und dauerhafte Konflikte gebeutelte Länder, erklärte Transparency. Neben Somalia (1,1 Punkte), Afghanistan (1,3) und Myanmar (1,4) liegen der Sudan (1,5) und der Irak (1,5) am Ende der Skala. In den Ländern, deren staatliche Strukturen durch dauerhafte Konflikte zerrüttet wurden, gerate Korruption außer Kontrolle und stärke die Plünderung von öffentlichen Ressourcen sowie Unsicherheit und Rechtlosigkeit, stellte TI fest.

Die höchste Punktzahl im CPI 2009 haben Neuseeland (9,4 Punkte), Dänemark (9,3), Singapur (9,2), Schweden (9,2) und die Schweiz (9,0). Dies zeuge von politischer Stabilität, einer langen Tradition von Konfliktlösungsmechanismen und soliden politischen Institutionen, lobte TI. Die Industrieländer, insbesondere die Finanzzentren, in denen durch Korruption erlangte Gelder versteckt werden können (sog. Schattenfinanzzentren), dürften sich jedoch nicht zurücklehnen. Gerade sie unterminierten die weltweiten Anstrengungen zur Korruptionsbekämpfung und zur Rückerlangung illegal erworbenen Vermögens.

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Grafik: TI

"Geld aus Korruptionsdelikten darf keinen sicheren Hafen finden", sagte Huguette Labelle, die Vorsitzende von Transparency International. "Es ist an der Zeit, den Ausreden ein Ende zu setzen. Wir begrüßen die Anstrengungen der OECD in diesem Bereich, aber wir fordern mehr bilaterale Verträge zum Informationsaustausch, um die Geheimhaltung vollständig zu beenden."

Deutschland (8,0 Punkte) liegt unverändert auf Platz 14 der Liste und befindet sich damit im Mittelfeld von vergleichbaren Staaten. Enttäuschend war für Transparency der Abschluss der 3. Konferenz der Vertragsstaaten der UN-Konferenz gegen Korruption (UNCAC) in Doha (Katar) am vergangenen Freitag. Der dort beschlossene Überwachungsmechanismus für die Umsetzung der Konvention überlasse es den geprüften Ländern selbst, inwieweit sie Länderbesuche der Prüfgruppen, Gespräche mit Organisationen der Zivilgesellschaft und die Veröffentlichung des Länderberichts zulassen, kritisierte TI.

Die Länder mit der höchsten Korruption dürften nicht vom Entwicklungsprozess ausgeschlossen werden, erklärte TI. Vielmehr müssten ihre Institutionen gestärkt werden. Dazu gehörten die Parlamente, die Justiz, unabhängige Prüfkommissionen, transparente Budgets, eine freie Presse und eine wachsame Zivilgesellschaft, sagte Labelle. "Die internationale Gemeinschaft muss wirksame Wege finden, um vom Krieg gebeutelte Ländern dabei zu helfen, ihre eigenen Institutionen aufzubauen und aufrecht zu erhalten."

www.transparency.org

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