gazastreifen_200Gaza-Stadt/Berlin (epo.de). - Auch fast ein Jahr nach dem Ende des Gaza-Krieges ist im Gazastreifen weder die Beseitigung der Kriegsschäden noch ein Wiederaufbau möglich. Das beklagen 16 führende Hilfsorganisationen in einem neuen Bericht, der zum ersten Jahrestag der israelischen Militäroperation "Gegossenes Blei" erschienen ist. Die NGOs fordern ein Ende der Blockade des Gazastreifens durch Israel.

Seit dem Ende der Offensive Mitte Januar habe die israelische Administration lediglich 41 Lastwagen-Ladungen mit Baumaterial nach Gaza zugelassen, berichten die Organisationen, unter ihnen medico international, Oxfam und Amnesty International UK. Für den Wiederaufbau und die Renovierung von Häusern würden aber tausende von LKW-Ladungen benötigt, betonen die Hilfsorganisationen.

Lediglich ein Bruchteil der Schäden an Häusern, ziviler Infrastruktur, öffentlichen Einrichtungen und Geschäften konnte dem Bericht zufolge bisher repariert werden. Der Zivilbevölkerung sowie den UN- und Hilfsorganisationen sei es bis auf wenige Ausnahmen verboten, Materialien wie Zement und Glas zu importieren.

"Alle Bewohner des Gazastreifens werden durch die Blockade für die Taten einiger Weniger bestraft", kritisierte Tsafrir Cohen, Repräsentant von medico international in Israel und Palästina. Kritik üben die Organisationen auch an der internationalen Politik, die zwar immer wieder die Blockade kritisiere, aber nichts unternehme um dieser israelischen Politik ein Ende zu bereiten.

"Bloße Verlautbarungen helfen den Menschen im Gazastreifen nicht weiter", sagte Paul Bendix, Geschäftsführer von Oxfam Deutschland. "Die internationale Gemeinschaft muss endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und wirksam auf die Beendigung der Versorgungsblockade drängen. Die Bevölkerung von Gaza muss die Möglichkeit erhalten, ihre Häuser selbst wieder aufzubauen und sich neue wirtschaftliche Perspektiven zu erarbeiten."

Die Folgen des Einfuhrverbots für Baumaterialien seien sehr tiefgreifend, schreiben die Autoren des Berichts. Die Blockade führe zu häufigen Stromausfällen und Engpässen in der Gas- und Wasserversorgung. Teile des Stromnetzes wurden während des Konflikts bombardiert und müssten dringend repariert werden. Hinzu komme, dass Israel die Versorgung von Gaza mit industriellem Öl einschränke. 90 Prozent der Bevölkerung hätten unter Stromausfällen von vier bis acht Stunden pro Tag zu leiden.

Stromausfälle sind dem Bericht zufolge auch die Ursache täglicher Unterbrechungen der Wasserversorgung. Diese werde auch durch nicht zu reparierende Wasserleitungen und -Tanks behindert, da Ersatzteile von Israel nicht als essenzielle humanitäre Güter betrachtet würden und deshalb nicht eingeführt werden dürften. Durch Druckverlust in den Leitungen werde die Wasserversorgung durch verschmutztes Grundwasser kontaminiert. Die schlechte Wasserqualität sei eine Hauptsorge der Hilfsorganisationen in Gaza. Durchfall verursache 12% der Todesfälle junger Menschen.

Die Blockade, die im Juni 2007 begann, nachdem Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen übernahm, hat die Armut in Gaza sprunghaft erhöht. 80% der Menschen sind dem Bericht der NGOs zufolge von Hilfe abhängig. Unternehmen und Farmen mussten ihren Betrieb einstellen und Arbeiter entlassen. Das Ausfuhrverbot hat die Bauern hart getroffen. Durch den Krieg wurden 17% der Agrarfläche samt Gewächshäuser und Bewässerungssysteme zerstört. Weitere 30% der Agrarfläche sind durch Erweiterung der israelischen Sperrgebiete verloren gegangen.

Der Bericht drängt die EU dazu, eine sofortige und konzertierte Aktion zu beginnen, um die Blockade von Gaza zu beenden. Die europäischen Außenminister werden aufgerufen, Gaza zu besuchen, um sich selbst ein Bild von den Folgen der Blockade für die Bevölkerung zu machen. "Die sofortige Öffnung der Gaza-Übergänge für Baumaterialien vor dem Wintereinbruch wäre ein wichtiger Schritt", erklärte Tsafrir Cohen von medico international.

Der Bericht wird unterstützt von: Amnesty International UK, Broederlijk Delen, CAFOD, CCFD Terre Solidaire, Christian Aid, Church of Sweden, Diakonia, Finn Church Aid, Medical Aid for Palestinians, medico international Deutschland, medico international Schweiz, Mercy Corps, MS ActionAid Denmark, Oxfam International, Trocaire, United Civilians for Peace (a coalition of Dutch groups - Oxfam Novib, Cordaid, ICCO, and IKV Pax Christi).

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