bfdw_boellerStuttgart (epo.de). - Zum Jahreswechsel ruft die evangelische Hilfsaktion "Brot für die Welt" unter dem Motto "Brot statt Böller" zu Spenden auf. Jedes Jahr schicken die Deutschen an Silvester Feuerwerk im Wert von rund 100 Millionen Euro in den Himmel. "Wir wollen niemandem den Spaß verderben. Aber spenden Sie doch einen kleinen Teil davon lieber den Menschen, die es viel dringender brauchen", wünscht sich die Direktorin von "Brot für die Welt", Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel. Zum ersten Mal bietet "Brot für die Welt" dabei auch das Helfen per SMS an. Die Aktion 3. Welt Saar findet den Aufruf hingegen "lustfeindlich".

Meike Sahling, bei "Brot für die Welt" für das Fundraising verantwortlich, erklärt, wie einfach die Hilfe per SMS ist: "Schicken Sie an die 81190 eine SMS mit dem Stichwort 'Brot'. Von Ihrer Mobilfunk-Rechnung werden dann 5 Euro abgebucht." Fünf Euro, die etwas Sinnvolles tun und die an Silvester umgerechnet den Verzicht von vielleicht einer Feuerwerksrakete bedeuten.

Dabei braucht niemand auf sein Feuerwerk zu verzichten. Denn ein IT-Dienstleister hat für "Brot für die Welt" ein "virtuelles Taschenfeuerwerk" entwickelt. Die Software ist speziell für iPhone- und iPod-Besitzer gedacht. Die Nutzer können sich das Programm, das es in zwei Versionen gibt, auf ihr Gerät laden und danach ein virtuelles Feuerwerk in Ton und Bild starten. Jederzeit, völlig umweltschonend, witterungsunabhängig und ohne jedes Verletzungsrisiko.

Das Taschenfeuerwerk steht seit dem 24. Dezember im "AppStore" von Apple als Download zur Verfügung (www.apple.com/de/itunes/whatson/appstore.html). Der Preis beträgt 2,99 Euro bzw. 1,59 Euro für eine Lite-Version. Den Erlös spendet das Unternehmen an "Brot für die Welt".

LUSTFEINDLICHER AUFRUF

Die "Aktion 3. Welt Saar" (A3WS) fordert Hilfsorganisationen hingegen auf, den Appell "Brot statt Böller" einzustellen. "Der Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau. Mit seinem Appell an das schlechte Gewissen richtet er zudem politischen Flurschaden an", sagte A3WS-Geschäftsführer Roland Röder. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem Sylvesterfeuerwerk sowie Hunger und Armut in der Welt. Genauso gut könnte man dazu aufrufen, keine Weihnachtsbäume und Bücher zu kaufen oder Fußball-Hallenturniere ausfallen zu lassen.

Auch der aktuelle Vorschlag, sich an einem "virtuellen Taschenfeuerwerk" zu erfreuen, wirkt aus Sicht der A3WS künstlich bemüht und hilflos. "Der Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität führt ins Leere, wenn er mit einer Leidensmine und dem moralischen Zeigefinger einher geht", meint Röder. Das Feiern gehöre zum Wesen des Menschen in allen Kulturen. "Dass Menschen hungern, obwohl genügend Nahrungsmittel vorhanden sind, liegt an der Verteilung und an der Verwendung von Nahrungsmitteln als Viehfutter. Denn Hunger ist kein Schicksal, sondern wird gemacht."

Die Aktion 3. Welt Saar verweist hinsichtlich der Bekämpfung des Hungers auf den aktuellen Weltagrarbericht, der eine andere Agrarpolitik einfordert. Dazu gehöre die Abkehr von der viel gepriesenen Liberalisierung des Welthandels und von der Vorrangpolitik für Gentechnik. Stattdessen müsse weltweit die bäuerliche Landwirtschaft den Vorzug vor der industriellen Landwirtschaft bekommen.

www.a3wsaar.de

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