haitiPort-au-Prince (epo.de). - Ein Erdbeben der Stärke 7,0 hat den karibischen Inselstaat Haiti erschüttert. Es werden zahlreiche Opfer befürchtet. Der Präsidentenpalast und das UN-Hauptquartier in der Hauptstadt Port-au-Prince seien zerstört worden, berichteten Nachrichtenagenturen. Mehrere Staaten und Hilfsorganisationen kündigten umgehend Soforthilfe an. Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre.

Das Erdbeben am Dienstag um 16.53 Ortszeit (22.53 MEZ) war nach Angaben des des US-Instituts für Geophysik das schwerste seit mindestens hundert Jahren. Es dauerte länger als eine Minute. Das Epizentrum des Bebens lag in einem Vorort der Hauptstadt.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle kündigte am Mittwoch an, Deutschland werde Haiti mit jeder möglichen Hilfe zur Seite stehen. Ein Krisenstab werde sich ein Bild von der Lage machen und beraten, wie man im Katastrophengebiet helfen könne. Die Interamerikanische Entwicklungsbank stellte 200.000 US-Dollar als Soforthilfe zur Verfügung.

Entwicklungsminister Dirk Niebel sagte Haiti eine erste Nahrungsmittelsoforthilfe in Höhe von 500.000 Euro zu. Damit erhöhte die Bundesregierung ihre Zusage für humanitäre Sofort- und Nothilfe für Haiti auf 1,5 Millionen Euro. Das Bundesentwicklungsministerium will damit den Menschen helfen, die unmittelbar von den Auswirkungen und Zerstörungen des Erdbebens betroffen sind. Die Nahrungsmittelversorgung soll über die vor Ort im Bundesauftrag tätige GTZ erfolgen. Niebel stellte ein weiteres Engagement des Entwicklungsministeriums in Aussicht, wenn verlässliche Informationen über die Betroffenenzahlen vorliegen und die Einschätzung der Versorgungslage der notleidenden Bevölkerung dies erforderlich macht.

Das UN World Food Programme (WFP) hat eine Nothilfeoperation auf den Weg gebracht, um durch die Nutzung aller in der Region verfügbaren Ressourcen so schnell wie möglich auf die humanitären Bedürfnisse in Haiti reagieren zu können. Das WFP bringt 86 Tonnen Spezialnahrung, sogenannte angereicherte Energiekekse, aus einem logistischen Notfallzentrum in El Salvador nach Haiti - genug um 30.000 Menschen eine Woche lang zu ernähren.

Deutsche Hilfsorganisationen bereiteten sich am Mittwoch auf umfassende Hilfsmaßnahmen vor. Caritas international, das Hilfswerk der deutschen Caritas, stellte als Soforthilfe 100.000 Euro zur Verfügung. Auch die Caritas-Verbände aus Frankreich, Italien, den USA und anderen Staaten haben Hilfe zugesagt. Mitarbeiter sind unterwegs in die Hauptstadt Port-au-Prince. Das Hilfswerk der deutschen Caritas rief dringend zu Spenden auf.

 "Haiti ist ohnehin eines der ärmsten Länder der Welt, nach diesem verheerenden Beben fehlt es an allem. Jetzt wird schnell unsere Hilfe benötigt", sagte Oliver Müller, Leiter von Caritas international.

Die Diakonie Katastrophenhilfe berichtete, neben Krankenhäusern und Schulen seien unzählige Häuser eingestürzt und Straßenverbindungen unterbrochen. Das evangelische Hilfswerk stellte 100.000 Euro für die Nothilfe und den Wiederaufbau zur Verfügung.

"Es sind zahlreiche Häuser zerstört. Es wird sicherlich viele Hunderte Tote gegeben haben, wenn nicht sogar deutlich mehr", sagte Astrid Nissen, Projektleiterin der Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti. Die Stimmung in Port-au-Prince sei vom Schock über die unerwartete Katastrophe geprägt. "Tausende Menschen sind auf den Straßen, sitzen auf dem Boden, singen, beten. Es gibt kein Licht, keinen Strom und keine Telefonverbindung", so Nissen.

Die Welthungerhilfe stellte am Mittwoch ebenfalls 100.000 Euro für die Opfer des schweren Erdbebens in Haiti bereit. Im Rahmen einer ersten Soforthilfe sollen Betroffene mit lebenswichtigen Hilfsgütern wie Trinkwasser, Zelten, Planen und Nahrungsmitteln versorgt werden. Die Welthungerhilfe wird dabei mit erfahrenen haitianischen Partnerorganisationen zusammenarbeiten.



Das Ausmaß der Schäden ist immer noch unübersichtlich, da kurz nach dem Beben die komplette Stromversorgung und die Kommunikationswege zusammengebrochen sind. "Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Die hohen Nahrungsmittelpreise haben die Lage in den vergangenen beiden Jahren weiter verschärft. Es gab Hungeraufstände, und jetzt wurde ihnen auch noch das wenige an Besitz genommen", sagte Michael Kühn, Regionalkoordinator der Welthungerhilfe in Haiti.

Kühn schätzt auch die Sicherheitslage als kritisch ein. "Dass in der Hauptstadt Präsidentenpalast und Kathedrale zerstört wurden, hat die Haitianer tief erschüttert. Präsidentenpalast und Kathedrale haben großen Symbolcharakter für Staatsgewalt und Religion. Die Region ist ohnehin fragil und könnte durch dieses Ereignis komplett aus den Fugen geraten. Die internationale Gemeinschaft muss entschlossen reagieren und wir brauchen dringend Spenden, um schnell helfen zu können."

CARE Deutschland-Luxemburg stellte 10.000 Euro für Nothilfe in Haiti zur Verfügung. "Wichtig ist jetzt vor allem, die Menschen schnell zu erreichen. Sie brauchen dringend Trinkwasser, Medikamente und eine sichere Unterkunft", sagte Anton Markmiller, Hauptgeschäftsführer von CARE Deutschland-Luxemburg.

Laut ersten Meldungen der CARE-Mitarbeiter aus Haiti sind schwerwiegende Schäden zu erwarten. "Da aber generell die Kommunikation zusammengebrochen ist, haben wir Schwierigkeiten, unsere Mitarbeiter zu erreichen", so Markmiller. Haiti erlebte 2008 schwere Zerstörungen durch mehrere Wirbelstürme.

Das Deutsche Rote Kreuz bereitet den Einsatz eines mobilen Krankenhauses vor, das vom DRK Logistikzentrum in Berlin-Schönefeld nach Haiti gebracht werden kann. Gleichzeitig wird DRK-Personal aus der Region nach Port-au-Prince entsendet. Das mobile Krankenhaus ist laut DRK vergleichbar mit einem deutschen Kreiskrankenhaus und hat einen Wert von 1,5 Millionen Euro. Mobile Gesundheitsstationen und Trinkwasseraufbereitungsanlagen stehen ebenfalls bereit.

"Es gab schon vor dem Erdbeben keine medizinische Versorgung und kein funktionierendes Katastrophenschutzsystem auf Haiti. Die Menschen sind auf Hilfe angewiesen, und die muss von Außen kommen", sagt DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters, der bereits im Dezember 2009 vor Ort war.

Mit einer Soforthilfe von 30.000 Euro reagierte das katholische Hilfswerk MISEREOR auf das verheerende Erdbeben. "Mit Haiti trifft diese Katastrophe eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Hinzu kommt, dass mit Port-au-Prince eine Stadt betroffen ist, die durch die hohe Wohndichte und die teilweise chaotische Bauweise sehr anfällig für Erdstöße ist", erklärte Heinz Oelers, MISEREOR-Länderreferent für Haiti. "Der Katastrophenschutz und die Rettungskräfte in der Stadt dürften nicht wirklich vorbereitet gewesen sein auf eine solche Situation."

MISEREOR unterstützt mehr als 30 verschiedene Partnerorganisationen in Haiti. Einige davon arbeiten in der Hauptstadt. "Gemeinsam mit den Partnern werden wir die ersten Hilfsmaßnahmen in Angriff nehmen. Welche Folgen das Erdbeben in den anderen Städten und in den ländlichen Regionen hatte, können wir noch nicht einschätzen", sagte Oelers.

Die Kindernothilfe stellte 50.000 Euro Soforthilfe bereit. Die Organisation aus Duisburg fördert in Haiti mehr als 5.000 Kinder in sechs Projekten und ist mit einem Büro in Port-au-Prince vertreten.

"Die auf den Hügeln gebauten Slums sind einfach in einer Schlammlawine komplett abgerutscht", berichtete Eduard Aimé, ein Augenzeuge aus Haiti, dem Malteser Hilfsdienst in Köln. Die stabilsten Gebäude wie der Präsidentenpalast, Ministerien oder die Kathedrale seien zerstört.

Derzeit bereiten die Malteser die Ausreise eines medizinischen Teams bestehend aus zwei Ärzten und drei Rettungssanitätern zur Unterstützung der Malteser auf Haiti vor. "Die Kollegen aus Haiti wissen, dass die medizinische Versorgung und auch die Versorgung mit Wasser, das überall verschmutzt ist, jetzt besonders wichtig ist," sagte Ingo Radtke, Leiter von Malteser International. Radtke betonte, die Hilfe der Malteser werde mit dem gesamten internationalen Maltesernetzwerk abgestimmt und koordiniert. Der Malteserorden unterstützt ein Krankenhaus im Norden von Haiti. Mit 64 Betten, einer Kinderabteilung, einer Entbindungsstation, einer Ambulanzstation und mit einem modernen Labor ist es das einzige Krankenhaus in der Region.

"Wir befürchten das Schlimmste", erklärte Rainer Brockhaus, Direktor der Christoffel-Blindenmission (CBM). "Wir müssen davon ausgehen, dass auch unsere fünf Projekte in Port-au-Prince betroffen sind."

Die CBM fördert seit mehr als 30 Jahren Projekte wie das Kinderkrankenhaus "Grace Childrens Hospital", das auch eine augenmedizinische Abteilung hat. Außerdem unterstützt die CBM das Programm "Centre d’Education Speciale" zur Frühförderung und Betreuung von geistig behinderten Kindern. Es gibt in Port-au-Prince mehrere Werkstätten und ein Integrationsprogramm für Kinder aus Elendsvierteln der Hauptstadt. Insgesamt sind 57 einheimische Mitarbeiter der CBM in den Projekten tätig. Sie betreuen fast 2000 Menschen mit Behinderungen und pro Jahr rund 140.000 Patienten in Krankenhäusern.

Die Geschäftsführerin von Plan Deutschland, Marianne Raven, berichtete: "Unsere Mitarbeiter vor Ort kümmern sich bereits um die Opfer des Erdbebens. Zerstörte Telefonleitungen behindern die Rettungsarbeiten, aber die Helfer koordinieren ihren Einsatz mit den lokalen Behörden sowie anderen Hilfsorganisationen." Plan betreut rund 42.000 Patenkinder und ihre Familien in Haiti und arbeitet in zehn Programmgebieten im Nordosten, Südosten und Westen des Landes.

"Help – Hilfe zur Selbsthilfe" stellte 10.000 Euro aus seinem Nothilfefonds für die Opfer des schweren Erdbebens auf Haiti zur Verfügung. Zwei Soforthelfer sollen am Donnerstag über die Dominikanische Republik nach Haiti einreisen, um die Opfer medizinisch zu versorgen. Notfallmedizin zur Versorgung von rund 10.000 Verletzten wird aus Deutschland folgen.

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