mauretanien_200Göttingen (epo.de). - Die Europäische Union sollte die weitere Entwicklungshilfe für Mauretanien von einem entschiedenen Eintreten der mauretanischen Regierung gegen die Sklaverei abhängig machen. Das haben die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und die Anti-Sklaverei Bewegung IRA (Initiative pour la Résurgence du Mouvement Abolitionniste) anlässlich von Verhandlungen über neue Entwicklungshilfe in Brüssel gefordert. In Mauretanien gibt es noch immer mehr als 500.000 Sklaven.

In Brüssel finden am 22. und 23. Juni Verhandlungen über neue EU-Entwicklungshilfe für das nordwestafrikanische Land statt. "Zwar wurde die Sklaverei in Mauretanien 1981 offiziell abgeschafft. Doch nach Schätzungen mauretanischer Menschenrechtler müssen noch immer rund 20 Prozent der Einwohner unentgeltlich oder fast ohne Lohn als Hausangestellte oder Landarbeiter für ihre "Herren" arbeiten", berichtete GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius.

Opfer der Sklaverei seien vor allem schwarzafrikanische Haratin, die rund 40 Prozent der drei Millionen Staatsbürger stellen, so Delius. "Wer diesen Skandal anprangert, wird wie der IRA-Vorsitzende Biram Dah Abeid von den Behörden diffamiert und verfolgt." Da die mauretanische Regierung das Fortbestehen der Sklaverei leugne, müsse in einer unabhängigen Studie das tatsächliche Ausmaß der Sklaverei untersucht werden. Außerdem müsse das Gesetz zum Verbot der Sklaverei ergänzt werden, so dass Opfer auch gegen ihre "Herren" klagen können, fordern GfbV und IRA.

Mauretaniens Regierung hatte mit Unterstützung der Europäischen Kommission Geberländer zu einem "Runden Tisch" in der belgischen Hauptstadt eingeladen, auf dem über die Perspektiven der weiteren Entwicklungshilfe für den afrikanischen Staat beraten werden soll. Aus Mauretanien wird eine 50-köpfige Delegation erwartet, der auch eine Gruppe von handverlesenen Vertretern von Nichtregierungsorganisationen (NGO) angehört. Anti-Sklaverei-Aktivisten sind nicht darunter.

"Die EU muss sich gemäß ihrer "Richtlinien zum Schutz von Menschenrechtlern" dafür einsetzen, dass Menschenrechtler, die sich gegen die Sklaverei engagieren, in Mauretanien nicht länger eingeschüchtert und verfolgt werden", forderte Delius. Nach kritischen Äußerungen zur Sklaverei auf einer Konferenz im Februar 2009 in Paris sei Biram Dah Abeid die Verlängerung seines Reisepasses verweigert worden. Außerdem sei er verdächtigt worden, mit dem israelischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten, und als "Vaterlandsverräter" sowie "Gotteslästerer" diffamiert worden. Es sei sogar ein falsches Gesundheitszeugnis in Umlauf gebracht worden, in dem der Eindruck erweckt werde, er sei geisteskrank. Seine Organisation IRA sei verboten worden.

www.gfbv.de

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