unfccc_cop16_cancun_100Berlin (epo.de). - Die Beschlüsse des Klimagipfels in Cancún sind ein Schritt in die richtige Richtung. Der Weg bis zu einem ambitionierten Klimaschutzabkommen ist aber noch weit und bedarf großer Anstrengungen der Industrie- und Entwicklungsländer. Darauf haben nichtstaatliche Organisationen in ihren Analysen der Klimakonferenz in Mexiko hingewiesen. Positiv werten die Organisationen, dass das Zwei-Grad-Ziel verbindlich festgelegt wurde.

Der Vizepräsident der Welthungerhilfe, Klaus Töpfer, bewertete die Ergebnisse des Klimagipfels in Cancún als "kleinen Schritt in die richtige Richtung". "Die sehr gute mexikanische Verhandlungsführung hat gezeigt, dass multilaterale Verhandlungen auch zu Ergebnissen führen können. Die Verhandlungen werden unter dem Dach der UN fortgesetzt. Die Fortschritte sind allerdings außerordentlich langsam. 

Positiv ist zu werten, dass das Zwei-Grad-Ziel verbindlich festgelegt wurde. Das bisher Festgelegte ist allerdings zuwenig, um das Ziel zu erreichen.

Positiv sei ferner, dass ein Klimafonds mit auf kurze Sicht 30 Milliarden und längerfristig 100 Milliarden jährlich beschlossen wurde, sagte Töpfer. Dies ermögliche gerade aus Sicht der Welthungerhilfe erstmals, Klimaschutz mit Armutsbekämpfung und engagiertem Kampf gegen den Hunger zu verbinden.

Das katholische Hilfswerk Misereor ist mit den Ergebnissen der Klimakonferenz im mexikanischen Cancún unzufrieden, erkennt aber Schritte in die richtige Richtung. "Immerhin scheint es auf dem Gipfel erreicht worden zu sein, dass wir aus der Sackgasse nach der Klimakonferenz in Kopenhagen nicht in der nächsten Sackgasse in Cancún gelandet sind. Der Weg ist jetzt zumindest wieder offen, um in den kommenden Jahren ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen zu verabschieden", erklärte der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Josef Sayer. "Es wäre vor allem beschämend gewesen, in Cancún das Kyoto-Protokoll, in dem die Klimaziele der Vereinten Nationen nur bis zum Jahr 2012 festgelegt sind, einfach über Bord zu werfen."

Durch endlose Verhandlungen sowie Blockadehaltungen einzelner Länder sei aber beim Klimaschutz viel wertvolle Zeit verlorengegangen, kritisierte Sayer. "Während die Verhandlungen seit Jahren auf der Stelle treten, schreitet der Klimawandel ungebremst voran", warnte der Misereor-Chef unter Verweis auf die Leiden der armen Bevölkerung in den Ländern des Südens. Auch das nun anvisierte Ziel einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen in den Industrieländern um 25 bis 40 Prozent bis zum Jahr 2020 sei "schlichtweg unzureichend", da deutlich mehr als 40 Prozent notwendig seien, so Misereor.

"Die Industrieländer schleichen sich bisher mit vagen Versprechungen aus ihrer Verantwortung gegenüber den Armen und vor allem den künftigen Generationen", betonte Sayer. Hier muss nachgebessert werden, und die Versprechungen müssen in zeitnahe konkrete Schritte münden, um das Recht aller Menschen auf ein würdevolles Leben zu ermöglichen."

Die nach zähen Verhandlungen in der Nacht auf Samstag verabschiedete Abschlusserklärung enthalte einige vorwärts gerichtete Entscheidungen, betonten die evangelischen Hilfswerke "Brot für die Welt", Diakonie Katastrophenhilfe und Evangelischer Entwicklungsdienst (EED). Die internationale Politik müsse aber "einen Gang zulegen". Bis zu einer zukunftsweisenden Klimaarchitektur sei es noch ein weiter Weg.

"Der Fortschritt in Cancún wurde mühsam erstritten. Während viele Entwicklungsländer und die EU an einem Brückenschlag arbeiteten, um den multilateralen Prozess am Leben zu erhalten, zeigten Länder wie Japan, Russland und die USA, aber auch Bolivien, wenig Kompromissbereitschaft", sagte Rudolf Ficker, Vorstandsmitglied des EED. Einen wichtigen Erfolg sehe er in der Vereinbarung zum Waldschutz. "Sie verankert ökologische Schutzklauseln und erkennt die Rechte indigener Ethnien an." Doch das sei nur ein Trippelschritt.

"Dass ein Arbeitsprogramm verabschiedet wurde, um ein Instrument zur Katastrophenvorsorge und Bewältigung von Klimaschäden zu entwickeln, ist gut. Leider wurde keine zeitliche Vorgabe vereinbart, bis wann es in Kraft tritt. Das ist angesichts von Naturkatastrophen und massiven Ernteverlusten in den vergangenen Jahren nicht zu rechtfertigen", kritisierte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe.

Während in Cancún viele Wissenschaftler und Praktiker vor bereits eingetretenen Klimaschäden in Billionenhöhe gewarnt hätten, zeige sich die Politik einmal mehr wenig handlungsfähig. "Beim Klimaschutz braucht es dringend mehr Mut zur Verantwortung", warnte Rudolf Ficker, "sonst wird es auch beim nächsten Klimagipfel in Südafrika in einem Jahr nicht für ein ambitioniertes und verbindliches Abkommen reichen." Ficker verlangt von der EU, ihr CO2-Minderungsziel auf 30 Prozent zu erhöhen. Dies würde Standards setzen und neue Dynamik in die Verhandlungen bringen.

www.welthungerhilfe.de
www.misereor.de
www.eed.de

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