difaem_100Tübingen. - Schätzungen zufolge lagern mehr als 83 Millionen alter oder kaputter Handys unbenutzt in deutschen Schubladen. Sie enthalten laut Umweltbundesamt rund drei Tonnen Gold, 30 Tonnen Silber, 1.900 Tonnen Kupfer, 1.151 Tonnen Aluminium und 105 Tonnen Zinn. Das Deutsches Institut für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen veranstaltet vom 29. Oktober bis 20. November eine Sammelaktion. Der Erlös geht in Projekte im Ostkongo - wo das seltene Coltan für Mobiltelefone abgebaut wird.

Rohstoffe sind ein kostbares Gut und nicht unbegrenzt verfügbar. Coltan, das meist in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut wird, wird später in Tantal umgewandelt und kommt in dieser Form in Mobilfunkgeräten und anderen elektronischen Produkten zum Einsatz. Auf Grund der herausragenden physikalischen und chemischen Qualitäten ist das seltene Metall für die Herstellung moderner Handys und Computer unabdingbar.

Doch die hohe Nachfrage hat ihren Preis – und den zahlen vor allem die Minenarbeiter und viele Frauen im Kongo. Seit Jahren kämpfen vor allem im Osten des Landes, einer Schwerpunktregion des Difäm, Milizen um die Kontrolle über den Abbau und Export dieser hochwertigen Bodenschätze. Die Folgen sind brutale Gewalt vor allem gegen Frauen und Armut. Frauen trauen sich oft nicht mehr auf die Straße, können ihre Familien nicht mehr versorgen. Kinder können nicht mehr in die Schule gehen und schuften in den illegalen Minen.

Mit dem Verkauf der Rohstoffe verdienen die Minenbetreiber Geld für den Waffenkauf, der ihnen die Macht über die Minen und Menschen sichert. Vier Euro, so das Difäm, bekommen die Träger für 50 Kilo der Mineralien, die auf dem Weltmarkt 930 Euro wert sind. Die Minenarbeiter selbst bekommen nur Cent-Beträge. Sie können die Minen, von denen es im Ostkongo Hunderte gibt, kaum verlassen, da sie in eine Abhängigkeit zu den Kontrolleuren der Mine geraten, die für alles eine Steuer erheben.

Das Difäm engagiert sich in der medizinischen Versorgung in der DR Kongo, unterstützt Gesundheitsprojekte und engagiert sich auch für die Frauen, die Hilfe brauchen. Schwerpunkte sind die Beschaffung von Medikamenten, medizinischem Material und Instrumenten, Mikrokredite für Frauen sowie die Beratung und Begleitung der Partner vor Ort. Zudem unterstützt das Difäm Initiativen, die sich für die Zertifizierung von Coltan und anderen Rohstoffen einsetzen, um der Gewalt ein Ende zu setzen.

Die "Schubladenhandys" werden nach Angaben des Difäm bequem, datensicher sowie ökologisch und sozial korrekt entsorgt, die Rohstoffe wiederverwertet. In den Filialen der Kreissparkasse Tübingen, sowie am 29. und 30. Oktober in der Mensa Wilhelmstraße und der Mensa Morgenstelle, stehen hierfür spezielle Sammelboxen der Firma FLIP4NEW bereit. Diese hat sich auf die Wiederverwertung gebrauchter Unterhaltungselektronik spezialisiert. Der Erlös der Sammelaktion fließt direkt in die Difäm-Projekte in der Krisenregion Ostkongo.

www.difaem.de

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