public eye awards 150Zürich. - Ende Januar vergeben die Erklärung von Bern und Greenpeace Schweiz während des World Economic Forum (WEF) in Davos wieder die "Public Eye Awards" für die schlimmsten Fälle von Missachtung der Umwelt und der Menschenrechte. Auf www.publiceye.ch startete am Freitag die mit bissigen Werbeparodien illustrierte Abstimmung für den Publikumspreis 2013. Nominiert für die Schmähpreise sind sieben Konzerne aus vier Kontinenten.

Die Online-Abstimmung über das übelste Unternehmen des Jahres läuft bis 23. Januar 2013 mittags. Auf der diesjährigen Shortlist stehen die sieben skandalösesten Fälle von Konzernverbrechen, welche die neu mit internationalen renommierten Wirtschaftsethikern besetzte Jury aus über 20 Gutachten zu potenziell würdigen Preisträgern gekürt hat. Die Gutachten wurden vom Institut für Wirtschaftsethik (IWE) der Universität St. Gallen erstellt. Mehr als 50 Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt haben die Konzerne nominiert:

Dem französischen Energie- und Transportkonzern Alstom werfen die Initiatoren von Public Eye vor, er sei weltweit in Korruptionsskandale verwickelt. Das Vorgehen des Konzerns habe System: Alstom offeriere lokalen Politikern Schmiergeld, teils in Millionenhöhe, um an Aufträge zu kommen. Die Häufigkeit der bekannt gewordenen Fälle lege die Frage nahe, ob es sich dabei um eine bewusst gewählte Geschäftsstrategie handele.

Der indische Energiekonzern Coal India ist laut Erklärung von Bern und Greenpeace Schweiz mit 400 Millionen Tonnen der weltweit grösste Kohleförderer. Er betreibe 90 Prozent aller Kohleminen in Indien und wolle weiterhin neue Kohlekraftwerke bauen, was Indien zum drittgrössten CO2-Emittenten der Welt machen würde. Die Kohleminen zerstörten den Lebensraum vieler Gross-Säugetiere und raubten Stammesvölkern die die Heimat, was sie zu einem Leben in bitterster Armut zwinge.

Das Heer des englischen Sicherheitsdienstleisters G4S ist mit 650.000 Beschäftigten die grösste Privatarmee der Welt, berichten die Initiatoren von Public Eye. Oft seien die Sicherheitskräfte schlecht ausgebildet und bezahlt. Der in 125 Ländern tätige Konzern sei in zahlreiche Verletzungen von internationalem Recht und Menschenrechten verwickelt. G4S sei in den illegal besetzten Palästinensergebieten präsent, etwa an Checkpoints und in Gefängnissen. Gleichzeitig sei der Konzern in weiteren Konfliktregionen tätig und werde von repressiven Regimes beschäftigt, unter anderem in Afghanistan, Irak, Bahrain oder Saudi-Arabien.

"Der Vampir des Finanzkapitals Goldman Sachs scheint Finanzblasen zu lieben", kritisieren die Erklärung von Bern und Greenpeace Schweiz. Ob Hypotheken-, Banken- oder Euro-Pleite, fast an jeder grösseren Krise verdiene Goldman Sachs kräftig mit. Dabei schrecke die Bank auch nicht davor zurück, ganze Staaten in den Ruin stürzen. Goldmans Finanzkonstrukte hätten Griechenland in den Ruin und die EU in die heutige finanzielle Krise getrieben. Goldman habe auf Kosten der europäischen Bevölkerung Milliarden verdient. Goldman Sachs unterhalte ein undurchsichtiges, weltweit einzigartiges Netz zu ehemaligen Bankleuten in höchsten politischen Positionen, so wie beispielsweise zu EZB-Chef Mario Draghi.

Manager des weltweit drittgrössten Minenproduzenten und Platinförderers Lonmin haben nach Darstellung von "Public Eye" das südafrikanische Bergbauministerium dazu aufgefordert, gegen streikende Arbeiter der Marikana-Mine die "entsprechenden Massnahmen" zu ergreifen – mit Hilfe der Polizei oder der Armee. 44 protestierende Minenarbeiter seien kurz darauf von der Polizei erschossen und 77 schwer verletzt worden. Einen Tag nach dem Massaker habe Lonmin allen weiterhin Streikenden mit der Entlassung gedroht. Die in bitterer Armut lebenden Arbeiter hätten die Arbeit niedergelegt, weil das Lonmin-Management wiederholt nicht zu Lohnverhandlungen erschienen war.

Der Schweizer Energiekonzern Repower, so die Initiatoren von Public Eye, will gegen den Widerstand der lokalen Bevölkerung im italienischen Kalabrien ein Steinkohlekraftwerk bauen. Das geplante Kraftwerk liege mitten im Herrschaftsgebiet der italienischen und europaweit vermutlich einflussreichsten Mafia-Verbindung 'Ndrangheta. Repower sei bewusst die Verbindung mit korrupter Politik eingegangen, um ein unerwünschtes, sowohl sozial als auch ökologisch unverträgliches Kohlekraftwerk zu bauen. Ihre Entschlossenheit zum Bau habe Berlusconi veranlasst, eine "Lex Repower" zu erlassen, die die Regionen ihres Mitspracherechts beraube.

"Shell will zu jedem Preis in der Arktis nach Öl bohren", kritisiert Public Eye. Der Öl-Konzern ignoriere Katastrophen-Warnungen von Wissenschaftlern sowie Millionen von Menschen, die die Arktis schützen wollen. Pete Slaiby, Vize-Chef von Shell Alaska, habe der BBC gesagt: "Da gibt’s nichts zu beschönigen, ich denke mir, dass es Ölunfälle geben wird, und kein Unfall ist ok." Weder diese bemerkenswerte Einsicht noch eine Pannenserie bei ersten Vorbereitungen in der Arktis hätten Shell bisher dazu inspiriert, mehr Geld in Sicherheitsvorkehrungen zu investieren. Shell habe ausserdem die Umstellung auf erneuerbare Energien aus seiner langfristigen Strategie gestrichen.

Am 24. Januar 2013 werden die Empfänger des Jury Award (Jurypreis) und des People's Award (Publikumspreis) bekannt gegeben. Der renommierte Autor, Ökonomie-Professor und Ex-Bankenregulator William K. Black (Buch: The Best Way to Rob a Bank is to Own One) wird dabei über die kriminelle Energie der Konzerne, die Oligarchie der Finanzindustrie und den Zustand der Demokratie sprechen.

www.publiceye.ch


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