gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat mehr Transparenz bei Nigerias Umgang mit Einnahmen aus der Ölförderung gefordert. "Nigerias Regierung muss endlich Rechenschaft darüber ablegen, wo die Milliardengewinne aus der Ölförderung im Nigerdelta geblieben sind", erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Freitag in Göttingen.

"Im Nigerdelta sind diese Gewinne zumindest nicht angekommen", kritisierte Delius. "Dort verarmen die Ureinwohner immer mehr und katastrophale ökologische Folgen der Ölförderung erschweren das Überleben der Menschen."

Der Unternehmenschef von Shell Nigeria (Shell Petroleum Development Company, SPDC), Mutiu Sunmonu, hatte laut GfbV am Mittwoch erklärt, der Staat Nigeria habe alleine von seinem Konzern 42 Milliarden US-Dollar seit dem Jahr 2008 für die Ölförderung erhalten. Weitere 25 Milliarden Dollar habe Nigerias Regierung in den letzten fünf Jahren von der Schwesterfirma Shell Nigeria Exploration and Production Company, SNEPCO) bekommen, die vor der Küste des Landes Öl fördern lässt. Öldiebstähle und Produktionsausfälle in Nigeria schmälerten jüngst den Profit, den Shell Nigeria zum Konzern Royal Dutch Shell beiträgt.

"Diese erstaunlichen Gewinne setzen Nigerias korrupte Politiker nun massiv unter Druck, endlich glaubwürdig zu erklären, wo das viele Geld geblieben ist", erklärte Delius. "Diese neue Offenheit von Shell-Nigeria ist auch ein Verdienst der EU-Transparenz-Initiative für die Rohstoffindustrie."

Die EU-Kommission hatte am 9. April nach langen Beratungen eine Regelung für mehr Transparenz in der Öl- und Bergbau-Industrie beschlossen. So müssen nun Unternehmen mit Hauptsitz in Europa ihre Zahlung an Regierungen in den Förderländern offenlegen. So soll die Korruption wirksam bekämpft werden. Die deutsche Bundesregierung habe die vom Europaparlament unterstützte Initiative der EU-Kommission monatelang blockiert, so die GfbV. Nigerias Behörden gelten als notorisch korrupt, aber auch den Öl-Konzernen wurde bislang vorgeworfen, ihre Einnahmen aus der Ölförderung zu verschleiern.

Die rund 20 Millionen in dem dicht bevölkerten Nigerdelta lebenden Menschen brauchen dringend mehr Hilfe. Zehntausende Jugendliche sind dort ohne Arbeit. Mehr als 10.000 Fischer haben aufgrund der Ölverseuchung ihre Existenzgrundlage verloren. Auch viele Bauern klagen über die Verseuchung des Bodens und ihrer Felder. Zehntausende Menschen leiden wegen des Abfackelns von Gasen unter Atemwegserkrankungen.

www.gfbv.de

 


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