ipcc bericht2013 100Genf. - Der Intergovenmental Panel on Climate Change (IPCC) hat am Freitag in Genf den ersten Teil eines neuen Sachstandsbericht veröffentlicht. Darin geht der Weltklimarat von einem Anstieg des Meeresspiegels aus, der um ein Drittel höher ist als bislang prognostiziert. Bis zum Jahr 2100 könnten die Meere demnach um 26 bis 82 Zentimeter ansteigen. In seinem 4. Sachstandsbericht war der IPCC vor sechs Jahren noch von 18 bis 59 Zentimetern ausgegangen.

Laut IPCC ist das Ziel der Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen, die Erwärmung der Erde durch Treibhausgase auf noch beherrschbare zwei Grad Celsius zu begrenzen, kaum noch zu halten. Seit der Industrialisierung sei die  Duchschnittstemperatur auf der Erde bereits um 0,8 Grad Celsius angestiegen. Bis 2100 könnte die Temperatur im Mittel - je nach Szenario - dem Report zufolge um  0,3 bis 4,8 Grad zunehmen.

Im IPCC-Bericht aus dem Jahr 2007 hatten sich die Wissenschaftler darauf verständigt, das der Erderwärmung "sehr wahrscheinlich" vom Menschen verursacht sei. Im neuen Bericht heißt es, dies sei "extrem wahrscheinlich".

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An dem Bericht mit dem Titel "Climate Change 2013: The Physical Science Basis" haben rund 800 Wissenschaftler gearbeitet. Er umfasst rund 1.000 Seiten und repräsentiert den aktuellen Stand der Forschung zum Klimawandel.

Teil zwei und drei des 5. Weltklimaberichts behandeln die Auswirkungen des Klimawandels und die politischen Möglichkeiten, ihn zu bremsen. Sie sollen im Frühjahr 2014 in Japan und Berlin vorgestellt werden.

ENTWICKLUNGSLÄNDER BESONDER BETROFFEN

"Gerade die ärmeren Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels", sagte der scheidende Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP). "Erfolge in der Entwicklungszusammenarbeit sind bedroht. Es ist daher besonders wichtig, dass wir gemeinsam mit unseren Partnerländern Strategien und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sowie zur Verringerung von Treibhausgasen entwickeln. Die Entwicklungsländer brauchen dabei finanzielle und technische Unterstützung. Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel sind deshalb ein zentrales Arbeitsfeld der deutschen Entwicklungszusammenarbeit."

Sofern die Weltgemeinschaft nicht handelt und es bei einem ungebremsten Ausstoß von Treibhausgasen bleibt, so Niebel, werden die Veränderungen des Klimasystems zunehmen. Besonders betroffen von der Erwärmung seien neben Ländern wie USA und Russland vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer im nordwestlichen und südlichen Afrika, im Herzen Südamerikas, auf der arabischen Halbinsel und in den nördlichen Teilen Asiens. Sie müssten sich bis Ende des Jahrhunderts auf Temperaturanstiege von + 5 °C bis +7 °C einstellen. Das stelle die Entwicklungszusammenarbeit vor neue Herausforderungen.

Rund 90 Prozent der deutschen öffentlichen Finanzierung für Klimaschutz in Entwicklungsländern stammt aus dem Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Allein 2013 stellt das BMZ Partnerländern rund 1,5 Milliarden Euro für die Klimazusammenarbeit zu Verfügung.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) werteten den neuesten Bericht des Weltklimarats als "untrügliches Zeichen dafür, dass der Klimawandel voranschreitet". "Der IPCC zeigt der Weltgemeinschaft, dass ein ambitionierter Klimaschutz unumgänglich ist", unterstrich Altmaier. "Forschung ist der Schlüssel zum Verständnis des Klimawandels. Der IPCC-Bericht ist der weltweit bedeutendste Sachstandsbericht zur Klimaforschung", betonte auch Wanka.

Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes, verwies auf zentrale Aussagen des Berichts: "Infolge der fortgesetzten Tauprozesse von Gletschern und Eisschilden und der Ausdehnung des erwärmten Ozeanwassers stieg der globale mittlere Meeresspiegel im Zeitraum von 1901 bis 2010 um etwa 19 Zentimeter. Dessen Anstieg hat sich in den letzten 20 Jahren sogar noch beschleunigt. Im letzten Jahrzehnt ist sechsmal so viel Grönlandeis geschmolzen wie in den 10 Jahren davor. Die Aussagen des Weltklimaberichts sind gegenüber dem letzten Bericht von 2007 noch sicherer und fundierter geworden. Sie zeigen einen großen Handlungsbedarf auf."

KLIMASCHUTZ WIEDER AUF DIE AGENDA SETZEN

Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und Germanwatch warnten am Freitag vor verheerenden Folgen sowohl für Millionen Küstenbewohner, als auch für die Ernährungssicherheit. Die künftige Bundesregierung forderten sie auf, Klimaschutz wieder an die Spitze der Tagesordnung zu setzen und konsequent in die Energiewende zu investieren. Denn der IPCC-Bericht zeige auch, dass es für entschlossenes Handeln nicht zu spät ist: "Wenn wir nun die richtigen Schritte gehen, lässt sich die Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzen."

"Wenn der Meeresspiegel um einen Meter steigt, wären allein in Bangladesch als einem der ärmsten Länder mehr als 30 Millionen Menschen von Überflutung betroffen. Rund um den Globus sind hunderte Millionen Menschen bedroht. Hinzu kommt eine immense und möglicherweise sehr viel akutere Gefährdung der Welternährung durch die Versauerung der Meere, denn Fisch ist eine der wichtigsten tierischen Proteinquellen in Entwicklungsländern. Die neue Bundesregierung trägt internationale Verantwortung. Sie muss Klimarisiken in der Entwicklungszusammenarbeit und Klimaaußenpolitik viel mehr Aufmerksamkeit einräumen als bisher“, so Sabine Minninger, Klimaexpertin von Brot für die Welt.

CARE International muss in seinen Programmen zur Armutsbekämpfung schon seit langem Methoden anwenden, die die Menschen auf die heute schon deutlichen und weiter zunehmenden Folgen des Klimawandels vorbereiten: "Im Niger müssen Bauern neue Einkommensmöglichkeiten suchen, denn die Aufzucht von Vieh wird durch die vermehrten und längeren Dürreperioden unmöglich. In Peru können Gemeinden im Andenhochland nicht mehr mit saisonalem Gletscherwasser für die Landwirtschaft rechnen. Die bittere Folge: Hunger und Armut", berichtete Sven Harmeling, Koordinator von CARE für Klimapolitik.

IPCC Presseerklärung (engl.)
http://ipcc.ch/news_and_events/docs/ar5/press_release_ar5_wgi_en.pdf

Report: Climate Change 2013: The Physical Science Basis
http://ipcc.ch/report/ar5/wg1/

 

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