venro Berlin. - Ein deutsches Einwanderungsgesetz muss sowohl den Zugewanderten als auch ihren Herkunftsländern und Deutschland nutzen. Das hat der Verband für Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) am Donnerstag gefordert. Diese Chance eröffne sich, wenn Einwanderung entwicklungspolitisch sensibel gestaltet werde und gleichzeitig der deutsche Arbeitsmarkt profitiere.

"Die positiven Effekte von Migration sowohl für Aufnahme- als auch für Herkunftsländer liegen auf der Hand, kommen aber leider in der aktuellen Debatte viel zu kurz. Geflüchtete, die aus humanitären Gründen Schutz in Deutschland finden, können eine wichtige Ressource für den deutschen Arbeitsmarkt sein. Gleichzeitig sind Migrantinnen und Migranten ein wichtiger Motor für die Entwicklung ihrer Herkunftsländer, wenn sie Teile ihres Einkommens dorthin rücküberweisen", sagte VENRO-Vorstandsmitglied Martina Schaub.

Rund zwei von drei Geflüchteten, die einem Job nachgehen, seien sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wie die Bundesagentur für Arbeit gerade veröffentlichte. Danach stünden über 300.000 Geflüchtete aus acht Haupt-Asylländern in Arbeit. "Das ist eine ermutigende Bilanz und zeigt, wie gut sich Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integrieren können. Aber wir dürfen auf keinen Fall die Aufnahme von Schutzbedürftigen vom Arbeitsmarktbedarf abhängig machen. Das humanitäre Völkerrecht, die Menschenrechtskonvention und das Asylrecht in Deutschland bleiben dafür entscheidend", so Schaub.

Aus der Sicht von VENRO wäre es abwegig, den viel diskutierten "Spurwechsel" nicht gesetzlich zu verankern. "Es ist ein großer Profit für alle, wenn bei denjenigen, die hier arbeiten und bereits integriert sind, ihr Asylverfahren in ein Einwanderungsverfahren übergeht", erklärte Martina Schaub. "Geldtransfers von Zugewanderten in die Heimat übersteigen die offiziellen Entwicklungsmittel um ein Dreifaches. Damit finanzieren ihre Familien die Bildung und Ausbildung ihrer Kinder und sorgen für deren Gesundheit. Das sind unschätzbare Entwicklungsimpulse." Insofern sei auch sinnvoll, die Integrationschancen von geduldeten Geflüchteten, die nicht zurückkehren können, durch Ausbildung zu verbessern.

"Der deutsche Arbeitsmarkt kann Hochqualifizierte genauso aufnehmen wie Menschen, die Aushilfstätigkeiten ausüben. Dafür müssen aber Abschlüsse und Qualifikationen aus den Herkunftsländern schneller anerkannt werden", forderte Schaub. "Durch Zuwanderung werden übersättigte Arbeitsmärkte in den Herkunftsregionen entlastet. Ein Einwanderungsgesetz darf aber nicht dazu führen, dass Qualifizierte aus dem lokalen Gesundheitssektor und wirtschaftlich wichtigen Branchen abwandern und das dortige Versorgungssystem daran kaputt geht." Auch sollten Maßnahmen ergriffen werden, damit Zugewanderte nicht nur unterhalb ihrer Qualifikation in Deutschland arbeiten.

Aus entwicklungspolitischer Sicht habe die "zirkuläre Migration" die besten Effekte und keine Nachteile für Deutschland. "Migrantinnen und Migranten, die in die Heimat zurückkehren, bringen neue Ideen und Qualifikationen mit", sagte Schaub. "Das ist für die wirtschaftliche und demokratische Entwicklung ein unschätzbarer Gewinn. Und wenn die Leute danach wieder eine Zeit in Deutschland arbeiten, wäre das eine Win-win-Situation für alle.“

Quelle: www.venro.org 


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