Strassenkinder in Brasilien. Foto: Don Bosco
Bonn (epo). - Der Verband Entwicklungspolitik (VENRO) und das Nationale Olympische Komitee für Deutschland (NOK) wollen künftig gemeinsame Aktivitäten zur Verbindung von Sport und Entwicklungszusammenarbeit in Angriff nehmen. Das soziale Potenzial des Sports biete ideale Voraussetzungen für die Entwicklungszusammenarbeit, sagte Jürgen Lieser, Stellvertretender VENRO-Vorsitzender, auf einer Fachtagung in Bonn.

VENRO und das NOK haben nach den Worten Liesers die Forderung des UN-Jahres des Sports 2005 aufgenommen, das die gesellschaftlichen Interessengruppen zu mehr Kooperation für eine erfolgreiche Verbindung von Sport und Entwicklung aufgerufen hatte. "Die Fachtagung 'Sport entwickelt' ist ein weiterer Schritt, mit dem wir den Dialog zwischen den Welten von Sport und Entwicklungszusammenarbeit fördern wollen", sagte Katrin Merkel, die beim NOK für Deutschland für die internationale Zusammenarbeit zuständig ist.

Rund 130 Experten und Interessierte aus den Bereichen Sport, Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Medien verfolgten die halbtägige Veranstaltung, die VENRO und das NOK für Deutschland mit Unterstützung der der Deutschen Welle und der Deutschen Sportjugend veranstalteten. Hochrangige Fachleute beleuchteten die Potenziale der Verbindung von Sport und Entwicklungsförderung.

Die Präsidentin des Weltrats für Sportwissenschaft, Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wie Nichtregierungsorganisationen, Medien und staatlichen Strukturen. Nur so ließen sich in Sportprojekten nachhaltige Erfolge erzielen. Um den Beitrag von Sport zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele zu bewerten, sei es nach dem Ende des UN-Jahrs des Sports wichtig, die begonnenen Projekte fortzuführen und auszuwerten.

Holger Obermann, ehemaliger Fußballprofi und ARD-Sportmoderator, berichtete von seinen Erfahrungen beim Aufbau von Fußballstrukturen in Afghanistan nach dem Ende des Taliban-Regimes. Die Akzeptanz von Sportregeln biete eine wichtige Basis für demokratische Entwicklung. Gerade in krisengeschüttelten Ländern habe Sport eine Ventilfunktion, die helfe, eine gewisse Lebensqualität wiederherzustellen.

"In Entwicklungsländern ist Fußball mehr als ein Spiel" sagte Obermann. Die Nachhaltigkeit der Entwicklungszusammenarbeit mit Sport sei wesentlich größer als die der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Uli Jäger warnte vor zu hohen Erwartungen an den Sport. "Sport ist genauso wenig wie Bildung per se gewaltpräventiv", sagte der Geschäftsführer des Instituts für Friedenspädagogik in Tübingen. Erfolgreiche Sportprojekte zur Gewaltprävention müssten an die besonderen Gegebenheiten angepasst sein und benötigten inszenierte Lernarrangements. Bei der Zusammenführung von Entwicklungszusammenarbeit und Sport dürften keine Einbahnstraßen entstehen, gerade bei der Gewaltprävention könne der Norden viel vom Süden lernen.

Bundesligatorwart Stefan Wessels berichtete von seinem privaten Engagement für Kindersoldaten und dem Misereor-Projekt "Anstoß mit Herz", das sein Team vom 1. FC Köln unterstützt. Sein entwicklungspolitisches Interesse sei bei einem Trainingscamp in Nigeria und durch den Kontakt zu Sportlern aus Entwicklungsländern geweckt worden. Er sei überzeugt, dass sich die Fans durch Aktionen am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft auf entwicklungspolitische Fragen aufmerksam machen ließen.

Dazu soll während der WM 2006 auch die neue Torwand "8:0 für Entwicklung" beitragen, die Wessels zuvor eingeweiht hatte. Die entwicklungspolitische Torwand der Aktion "Deine Stimme gegen Armut" besteht aus acht Löchern, die für die Millenniums-Entwicklungsziele stehen.

In der anschließenden Gesprächsrunde mit Publikumsbeteiligung befassten sich Ulrike Spitz (Sportressortleiterin der Frankfurter Rundschau), Reinhold Hemker (Mitglied des Bundestags), Jürgen Lieser und Katrin Merkel mit Möglichkeiten und Grenzen von Teamwork zwischen Sport und Entwicklungszusammenarbeit. Dabei diskutierten sie auch problematische Aspekte des globalisierten Sports, wie die Frage der Arbeits- und Sozialstandards in der Sportartikelindustrie und dem Abwerben von Sportlern aus Entwicklungsländern.

Unter der Moderation von Stefan Nestler (Deutsche Welle) befasste sich die Runde außerdem mir der Frage, welche Rolle Medien und sportliche Großereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele zur entwicklungspolitischen Sensibilisierung der Öffentlichkeit spielen können. Die Unterstützung der Veranstaltung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) wertete Katrin Merkel als mögliches Zeichen für eine künftig intensivere Förderung des Sports aus dem Entwicklungsressort.

Zum Abschluss der Fachtagung gaben VENRO und das NOK eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie vereinbaren, das Thema Sport und Entwicklungszusammenarbeit weiter zu verfolgen, zum Beispiel anlässlich der Olympischen Spiele 2008 in Peking und der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Dazu laden die beiden Dachorganisationen auch weitere Interessengruppen ein, sich am Dialog über die Möglichkeiten von Sport zur Bekämpfung der weltweiten Armut zu beteiligen.

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