?rzte ohne Grenzen

Berlin (epo.de). - Die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hat der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Dienstag in Berlin den Transparenzpreis 2006 verliehen. Den 2. Platz belegte die Deutsche Welthungerhilfe. Beide Organisationen hatten schon im Vorjahr die ersten beiden Ränge belegt. Dritte wurde die Kindernothilfe, die im Vorjahr noch auf Rang fünf lag. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Bewertet wird in erster Linie die Transparenz der Jahresberichte der Spendenorganisationen.

 

Nach Angaben von PwC ist die Spendenbereitschaft der Deutschen ungebrochen. Im Jahr 2005 flossen rund drei Milliarden Euro private Spenden an Spendenorganisationen, ein Anstieg gegenüber 2004 um rund 600 Millionen Euro. Gleichzeitig wachsen aber auch die Anforderungen an die Hilfsorganisationen, die Verwendung der gespendeten Gelder transparent darzustellen.

Verbindliche Standards oder Regeln wie für börsennotierte Unternehmen gebe es in Deutschland allerdings nicht, im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien oder der Schweiz, kritisierte PwC. Mit dem Transparenzpreis will die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft deutschen Organisationen Orientierungshilfen geben, indem sie die besten Jahresberichte öffentlich auszeichnet.

"PwC will mit dem Transparenzpreis Maßstäbe setzen. Der Spender hat das Recht zu erfahren, wie sein Geld eingesetzt wird", sagte PwC-Vorstandssprecher Hans Wagener. "Dabei entscheidet nicht die Menge der Information, sondern deren Aussagekraft. Die Aussage 'wir bauen Brunnen' reicht dabei nicht aus. Wichtig wäre vielmehr, wie viele Brunnen für wie viel Geld in welchen Dörfern gebaut werden, um beispielsweise 10.000 Menschen den Zugang zu Wasser zu ermöglichen. Für die transparente Berichterstattung benötigen die Organisationen in Deutschland Hilfestellung in Form verbindlicher und einheitlicher Vorgaben."

KEINE SPENDENEMPFEHLUNG

Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Rechnungslegung und Prüfung von Prof. Lothar Schruff an der Universität Göttingen hat PwC einen Kriterienkatalog entwickelt, der speziell auf die Beurteilung der Jahresberichte von Spendenorganisationen zugeschnitten ist. Um eine repräsentative Marktabdeckung zu erreichen und die Seriosität der untersuchten Organisationen sicher zu stellen, beschränkten PwC und die Universität die Untersuchung auf die - gemessen am Spendeneinkommen - 50 größten deutschen Organisationen, die das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) tragen.

"Unsere Auszeichnung bezieht sich ausschließlich auf die Jahresberichte, nicht auf die Verwendung der Mittel", betonte Professor Schruff. "Wir verbinden damit ausdrücklich keine Spendenempfehlung. Alle von uns analysierten Organisationen haben sich der freiwilligen Prüfung durch das DZI unterzogen und tragen das entsprechende Spenden-Siegel. Insofern konnten wir davon ausgehen, dass alle Organisationen seriös arbeiten."

Nach 33 Organisationen bei der Premiere des Transparenzpreises 2005 beteiligten sich in diesem Jahr 41 der nach Spendeneinkommen 50 größten Organisationen mit dem Spenden-Siegel des DZI an der Untersuchung. Um die Chancengleichheit zwischen kleineren und großen Organisationen zu wahren, bezogen PwC und die Universität Göttingen nicht nur gedruckte Jahresberichte, sondern auch Internet-Darstellungen, Rundschreiben und Einzeldokumente in die Bewertung mit ein.

Einen positiven Gesamteindruck hinterlassen die Berichte laut PwC durch übersichtlichen Aufbau und Gestaltung, verständliche und nicht zu werbliche Sprache. Auch die Strategie der Organisationen, warum und in welchen Feldern das Engagement konzentriert wird, komme deutlich zum Ausdruck. Zahlreichen sehr guten und befriedigenden Berichten über Herkunft und Verwendung der Gelder stünden jedoch nahezu ebenso viele gegenüber, die nur ausreichend oder überhaupt nicht über diesen zentralen Punkt Bericht erstatten. Nur in jedem zweiten Jahresbericht fanden die Prüfer eine Bilanz.

Ein ähnliches Bild zeige sich bei der Berichterstattung darüber, wie viele Mittel in die jeweiligen Projekte geflossen sind, so PwC. Auch hier teile sich das Feld nahezu in zwei Hälften, allerdings seien hier mit 60 zu 40 Prozent die besseren Beispiele in der Mehrheit. Im Vergleich zur Vorjahresuntersuchung kaum Boden gutgemacht hätten die Organisationen in den Feldern nichtfinanzielle Berichterstattung und Zukunftsinformationen. Keine Organisation habe beim Einblick in Kosten und Nutzen von Werbeausgaben die Bewertung 'sehr gut' erreicht. Keinerlei Informationen zu diesem Thema gaben 34 Prozent der Organisationen. Immerhin 7 Prozent erzielten ein 'sehr gut', wenn es um Einblicke in Kosten und Nutzen von Verwaltungsausgaben ging, 46 Prozent machten hierzu keine Angaben.

Top 10 der ausgezeichneten Spendenorganisationen 2006:

  1. Ärzte ohne Grenzen e.V.
  2. Deutsche Welthungerhilfe e.V.
  3. Kindernothilfe e.V.
  4. Deutscher Caritasverband e.V.
  5. Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V.
  6. Brot für die Welt / Diakonie Katastrophenhilfe
  7. Care International Deutschland e.V.
  8. Deutsche Stiftung für UNO-Flüchtlingshilfe e.V.
  9. Terre des hommes Deutschland e.V.
  10. Plan International Deutschland e.V.

PricewaterhouseCoopers


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