ILODüsseldorf (epo). - Der ungezügelte Wettbewerb um die niedrigsten Kosten im Rahmen der Globalisierung geht allzu oft zu Lasten von Sicherheit und Rechten der Arbeitnehmer. Darauf hat die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) auf der Fachmesse für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (A+A) am Dienstag in Düsseldorf hingewiesen. Das rasante Wachstum von internationalem Handel und grenzüberschreitenden Investitionen berge das Risiko in sich, dass die Produktion in Länder verlagert wird, in denen die Sozial- und Sicherheitsstandards bei der Arbeit vergleichsweise niedrig sind, erklärte die ILO.

Die ILO forderte, die Globalisierung fair zu gestalten und einen menschenwürdigen Lebensstandard und menschenwürdige Beschäftigung für alle Menschen zu ermöglichen. Dafür arbeite die Organisation gemeinsam mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern, indem sie sich für nachhaltige Entwicklungsstrategien einsetze, um wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Gerechtigkeit zu verbinden.

"In Zeiten intensiver Globalisierung müssen Mechanismen entwickelt werden, die Sozialstandards und humane Arbeitsbedingungen sichern. Doch zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern existiert ein Arbeitsschutzgraben, den es in den nächsten Jahren zu überbrücken gilt. Es gilt, die weltweit jährlich 2,2 Millionen tödlich verlaufenden Arbeitsunfälle und berufsbedingten Erkrankungen massiv zu reduzieren", sasgte Kari Tapiola, Exekutivdirektor der ILO.

Vor allem in Asien lässt sich der ILO zufolge eine Zunahme von Unfällen beobachten, insbesondere solchen mit tödlichem Ausgang. Die Kosten für Fehlzeiten, Behandlung und Kompensationszahlungen belaufen sich auf bis zu vier Prozent des weltweiten Sozialprodukts.

Gefahren für die Gesundheit von Arbeitnehmern entstünden jedoch nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländern. Auch in vielen Industrieländern wachse durch die globale Konkurrenz der Druck auf die Arbeitnehmer. Immer kleiner Belegschaften müssten immer mehr Arbeit schaffen, kritisierte die ILO. Die Zahl der Arbeitsunfälle in den Industrieländern sei zwar rückläufig, doch die Häufigkeit psychosozialer Erkrankungen nehme zu. Diese Entwicklung bringe nicht nur hohe menschliche, sondern auch ökonomische Kosten mit sich. In der EU verursachen arbeitsbedingte psychische Krankheiten Verluste in einer geschätzten Höhe von drei bis vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

"Im Zeitalter der Globalisierung ist es von entscheidender Bedeutung, zu einer Anpassung von Gesundheits- und Sicherheitsstandards am Arbeitsplatz auf hohem Niveau zu kommen, denn präventiver Arbeitsschutz wirkt sich auch ökonomisch aus", sagte der ILO-Koordinator für Arbeitssicherheit, Gerd Albracht. Die ILO empfiehlt eine mehrgleisige Strategie:

  • Nationale und internationale Netzwerke und Organisationen, insbesondere die ILO und die Weltgesundheitsorganisation WHO, tragen zur Ausarbeitung und Umsetzung einer international kohärenten Politik zum Arbeit- und Gesundheitsschutz bei.
  • Die Rolle der Arbeitsinspektoren bei der Umsetzung von Arbeitsstandards durch Beratung über Präventionsmaßnahmen sowie Überwachung muss gestärkt und durch nationale Programme implementiert werden.
  • Die Verantwortung von Unternehmen für die Umsetzung von Arbeitsschutz- und Präventionsmaßnahmen im Rahmen der Corporate Social Responsibility muss gestärkt werden.
  • Public-Private Partnerships, etwa zur Förderung und Etablierung einer zielgerichteten Arbeits- und Gesundheitsschutzkultur im Betrieb und zur Entwicklung sicherer Praktiken an verschiedenartigen Arbeitsplätzen, können die Leistungsfähigkeit von Unternehmen und Institutionen erheblich verbessern.

ILO


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