mifBerlin (epo.de). - Die Verbraucherinitiative "makeITfair" hat am Freitag in Berlin mehr als 8.000 Unterschriften an Mobiltelefonhersteller überreicht, damit diese sich innerhalb ihrer Lieferketten für "faire" Produktionsbedingungen einsetzen. Anlässlich des Welt-Telekommunikationstages am 17. Mai soll so europaweit Druck auf die Mobiltelefonunternehmen ausgeübt werden.

"Diese Kampagne im Rahmen des makeITfair-Netzwerkes hat mehr als 8.000 Unterschriften gesammelt, um eine gerechte Bezahlung und bessere Arbeitsstandards in Zuliefererbetrieben in China zu fordern. Hierdurch wird deutlich, dass sich Verbraucher immer stärker Gedanken über die Herkunft ihres Mobiltelefons machen und eine Nachfrage nach fairen Handys vorhanden ist", sagte Cornelia Heydenreich von Germanwatch, die deutsche Koordinatorin von makeITfair.

Mehr als die Hälfte aller weltweit genutzten Mobiltelefone werden der Initiative zufolge in China produziert. "Wanderarbeiter arbeiten bis zu zwölf Stunden am Tag und verdienen umgerechnet nur etwa 40 Cents pro Stunde", kritisiert makeITfair. Dies ist nicht ausreichend, um ihre grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken."

"Handy-Hersteller verweigern die Auseinandersetzung über die geringe Entlohnung in der Branche. Zudem haben chinesische Arbeiter keinerlei Mitspracherecht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich Verbraucher weltweit für eine gerechte Entlohnung, eine normale Arbeitsbelastung und die Bezahlung von Überstunden einsetzen", sagte Annika Torstenson vom Fair Trade Center und Mitautorin einer Studie über die Handyproduktion. Der makeITfair-Bericht über chinesische und philippinische Arbeiter, der im Jahr 2008 veröffentlicht wurde, untersuchte die Arbeitsbedingungen innerhalb der Lieferkette von Handy-Herstellern. Eine der Hauptsorgen der befragten Arbeiter war ihre geringe Entlohnung.

Die Unterschriften wurden an die Vorstandsvorsitzenden und die Abteilungen für Unternehmensverantwortung aller großen Markenkonzerne übermittelt. Die Mehrzahl der Unterschriften geht an die Firma Nokia, die laut makeITfair als größter Produzent von Mobiltelefonen einen Marktanteil von nahezu 40 Prozent hält. Dennoch blieb Nokia einer von makeITfair und GoodElectronics initiierten Konferenz in der letzten Woche in Amsterdam fern. Auf diesem Treffen diskutierten 18 der größten Elektronikkonzerne, darunter drei Mobiltelefonhersteller, mit Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen darüber, wie die Bedingungen innerhalb der Wertschöpfungskette verbessert werden könnten.

Ebenso wie Nokia sollen auch Samsung, Motorola und Sony Ericsson eine Vielzahl an Unterschriften erhalten. "Wenn Verbraucher mit ihrer Kaufentscheidung 'abstimmen', dann wird Konsumentenmacht sichtbar", erklärte Volkmar Lübke von der VERBRAUCHER INITIATIVE, die ebenfalls Träger der makeITfair-Kampagne ist.

Die Unterschriften-Kampagne basiert auf der oben zitierten makeITfair-Studie "Silenced to Deliver: Mobile phone manufacturing in China and the Philippines", September 2008. Eine Zusammenfassung der Studie ist bei Germanwatch abrufbar.

Das Projekt makeITfair macht darauf aufmerksam, wie die Arbeitsbedingungen in der Produktionskette von Unterhaltungselektronik (Handys, MP3-Player, Spielekonsolen und Laptops) aussehen, inwieweit dabei Menschenrechte verletzt werden und wie stark die Umwelt durch die Produktion beeinträchtigt wird. Die Kampagne wird durch die EU finanziell unterstützt und durch acht europäische Organisationen getragen: SOMO, Germanwatch, VERBRAUCHER INITIATIVE, FinnWatch/Finnish Association for Nature Conservation, Karat, SwedWatch, Church of Sweden and Fair Trade Center.

www.makeitfair.org
www.germanwatch.org
www.verbraucher.org

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