pan_bericht_peril_150Brüssel (epo.de). - Das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) hat in einem neuen Bericht dokumentiert, dass gefährliche Pestizide in aller Welt vielfach unter problematischen Bedingungen verwendet werden. Der Monitoring-Report "Communities in Peril: Global Report on the health impacts of pesticides used in agriculture" wurde am Donnerstag in Brüssel veröffentlicht. Der Report fasst die Ergebnisse einer umfangreichen Untersuchung der Pestizid-Anwendung in der Landwirtschaft zusammen.

"Die Ergebnisse des Monitoring widerlegen die von Pestizidherstellern gemachten Aussagen zur 'sicheren Anwendung' von Pestiziden", sagte Abou Thiam, Direktor von PAN Afrika. "Die Daten zeigen, dass die Anwendungsbedingungen in Ländern des globalen Südens dazu führen, dass Menschen durch Pestizide regelmäßig Gesundheitsschäden erleiden."

Das Monitoring wurde FIAN zufolge durch 13 lokale Gruppen in Afrika, Asien und Lateinamerika durchgeführt. Mehr als 2.000 Männer und Frauen in Afrika, Asien und Lateinamerika wurden interviewt. Die Auswertung der Interviews zeige vielfach vorkommende Gesundheitsschäden durch verschiedene Pestizide in unterschiedlichen Anbaukulturen. Die erfassten akuten Vergiftungssymptome reichten von Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Schwindelanfällen, Herzrhythmusstörungen und Krämpfen.

"Pestizidanwender haben oft keine Informationen über die Gesundheitsgefahren der Pestizide. Und falls sie über diese verfügen, können sie die notwendige Schutzkleidung oft nicht bezahlen", erklärte Javier Souza, Koordinator von PAN Lateinamerika. "Die pestizidabhängige Landwirtschaft setzt Menschen gefährlichen Wirkungen von Pestiziden aus." Keine der für den Report interviewten Personen benutzte Schutzkleidung, die den Standards in Industrieländern entspricht. Für viele war Schutzkleidung in der örtlichen Umgebung nicht einmal verfügbar.

Dem Report zufolge sind 82 der in Asien durch die Bauern verwendeten 150 Pestizid-Wirkstoffe auf der PAN International Liste hochgefährlicher Pestizide. Dies treffe auch auf sieben der zehn am meisten verwendeten Pestizide zu. "Wir fordern mehr Investition und politische Unterstützung für agrarökologische Ansätze im Pflanzenbau, die sicherer sind für Mensch und Umwelt. Regierungen sollten stärker in die lokale Infrastruktur sowie Aus- und Fortbildung investieren, um den Gebrauch und die Abhängigkeit von gefährlichen Pestiziden schrittweise zu reduzieren", sagte Sarojeni Rengam, Direktorin von PAN Asien & Pazifik. "Sowohl das praktische Feld-Monitoring wie auch die Analyse der Daten haben gezeigt, dass Landbewirtschaftung, die von gefährlichen Pestiziden abhängig ist, kein Zukunftsmodell sein darf, um eine ausreichende agrarische Produktivität zu sichern. Agrarökologische Ansätze schützen nicht nur Mensch und Umwelt, sondern können auch hohe Erträge erwirtschaften."

Der Report wird ergänzt durch Ergebnisse von Luftuntersuchungen in den USA, die unter Verwendung einer einfach zu bedienenden und zuverlässigen Technologie, dem so genannten "Drift Catcher", durchgeführt wurden. "Die Analysen zeigen, dass in ländlichen Gebieten der USA in der Nähe von Schulen und Häusern oft Pestizide eingesetzt werden, die zur Verwehung neigen. Daraus resultiert ein Gesundheitsrisiko für Kinder und Erwachsene", so Kathryn Gilje, Direktorin von PAN Nordamerika. "In einem industrialisierten Land zu leben, bietet also keine Gewähr, vor den negativen Folgen des Pestizideinsatzes geschützt zu sein."

Der Report empfiehlt, dass Politiker in aller Welt ihre Maßnahmen zur Förderung agrarökologischer Landbauansätze verstärken und Maßnahmen zur Reduzierung des Einsatzes gefährlicher Pestizide intensivieren. Firmen, die gefährliche Pestizide produzieren und vermarkten, müssten die Verantwortung für die entstandenen Schäden übernehmen. "Wir bitten Entscheidungsträger in Regierungen, Entwicklungsorganisationen, der Landwirtschaft, Wissenschaft und Forschung sowie in der Lebensmittel- und Futtermittel- und Textilindustrie, agrarökologischen Anbausysteme intensiv zu fördern, anstatt die Abhängigkeit vom gefährlichen Pflanzenschutzkonzept der konventionellen Landwirtschaft fortzuführen", sagte Carina Weber, Geschäftsführerin von PAN Germany.

www.pan-germany.org
www.pan-international.org

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