supermarkt_initiative_80Berlin. - Die Supermarkt-Initiative und das CorA-Netzwerk für Unternehmens-Veranwortung haben am Donnerstag in Berlin eine Transparenz-Kampagne gestartet. Sie fordern neben der Offenlegung von zentralen Informationen zur Unternehmenspraxis in Bezug auf Arbeitnehmerrechte, Korruption, Lobbyaktivitäten sowie Umwelt- und Klimaschutz auch die Veröffentlichung von Lieferanten und Produktionsstandorten. Den Auftakt der Kampagne bildet eine an Bundeskanzlerin Angela Merkel gerichtete Unterschriftenaktion, in der diese Offenlegungspflicht verlangt wird.

"Hungerlöhne, unbezahlte Überstunden und Umweltschäden sind keine Einzelfälle bei der Produktion von Waren, die täglich in den Regalen von Supermärkten und anderen Unternehmen angepriesen werden. Doch die Verbraucher/innen erfahren davon kaum etwas. Ziel der Kampagne ist es daher, dass die Bundesregierung Unternehmen gesetzlich verpflichtet, Informationen zu sozialen und ökologischen Aspekten ihrer Tätigkeit zu veröffentlichen", sagte Franziska Humbert, Referentin für soziale Unternehmensverantwortung bei Oxfam Deutschland.

Ana María Morales, Arbeitsrechtlerin der guatemaltekischen Frauenorganisation AMES (Asociacion de Mujeres en Solidaridad), führte in den vergangenen Monaten zahlreiche Interviews mit Frauen in Textilfabriken in Guatemala. "Fast immer fehlen Informationen über die Auftraggeber, sodass die letztendlich für die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden können", sagte Morales.

"Es darf nicht sein, dass zum Beispiel Aldi und Lidl mit ihrem angeblich sozialen Verhalten werben dürfen, die Arbeitsbedingungen bei sich und in ihrer Lieferkette aber nicht preisgeben müssen", erklärte Sandra Dusch Silva von der Christlichen Initiative Romero.

Erst aufgrund einer Klage und des öffentlichen Drucks habe Lidl im Frühjahr 2010 irreführende Werbung zurückgenommen, so die Kampagne. Lidl habe sich verpflichtet, nicht weiter mit sozialem Verhalten und der Mitgliedschaft in der Initiative für soziale Unternehmensverantwortung BSCI zu werben. Die Klägerinnen und Kläger hätten nachweisen können, dass Lidls Waren in Bangladesch für einen Hungerlohn unter Verletzung von Sozialstandards hergestellt worden seien.

"Im Hinblick auf gesetzliche Offenlegungspflichten für Unternehmen muss Deutschland im internationalen Vergleich bisher leider als Nachzügler angesehen werden. In anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Norwegen und Schweden bestehen bereits weitergehende Regelungen", sagte Volkmar Lübke, Koordinator von CorA.

www.oxfam.de
www.supermarktmacht.de
www.cora-netz.de

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