urgewaldBerlin (epo). - Die Umweltorganisation urgewald warnt in einem neuen Hintergrundpapier vor einem Wiedereinstieg in die Förderung von Atomexporten. Die CDU hatte sich unlängst für einen solchen Wiedereinstieg ausgesprochen. Dies würde bedeuten, Nuklearexporte mit Hermesbürgschaften zu fördern, was aktuell nicht möglich sei, so urgewald. "Das Ausschlusskriterium spiegelt die Bedenken der Bevölkerungsmehrheit gegen Atom wider. Es ist nur konsequent, international nicht mehr zu fördern, was man im eigenen Land für zu gefährlich für Mensch und Natur hält", erklärte urgewald-Campaignerin Regine Richter.

urgewald macht in dem Hintergrundpapier auf die prekären Bedingungen aufmerksam, unter denen Atomkraftwerke derzeit in möglichen Exportländern geplant und gebaut werden. "In China zum Beispiel gibt es keine Öffentlichkeitsbeteiligung, wenn ein Kernkraftwerk gebaut wird. Und auch das indische Atomgesetz erlaubt, der Öffentlichkeit Umweltstudien vorzuenthalten. So kann die zuständige Behörde völlig intransparent entscheiden." Vor dem Hintergrund des Streits um das iranische Atomprogramm warnt Richter: "Regierungen, die sich von der eigenen Bevölkerung nicht auf die Finger schauen lassen, sind selten willens, dies von anderen Ländern oder internationalen Behörden zu akzeptieren. Exporte in solche Länder sind deshalb nicht kontrollierbar."

Zusätzliche Probleme sieht Barbara Happe, ebenfalls Campaignerin bei urgewald, bei alten Projekten: "Sollten Atomexporte staatlich wieder gefördert werden, droht die Wiederbelebung von Bauruinen wie den AKW Angra 3 in Brasilien und Atucha 2 in Argentinien. Die Projekte haben in beiden Ländern schon vor der Fertigstellung enorm zur Verschuldung beigetragen und binden Mittel, die im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung sinnvoller eingesetzt werden könnten."

Die Organisation fordert, auch künftig auf die staatliche Förderung von Atomexporten zu verzichten. "Wenn zusammengestückelte oder veraltete Kernkraftwerke mit staatlicher Unterstützung aus Deutschland gebaut werden, fördert man knapp 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl möglicherweise den Bau neuer Katastrophenreaktoren", so Richter. "Dies mit dem Hinweis auf ein paar wenige deutsche Arbeitsplätze rechtfertigen zu wollen, ist unverantwortlich."

Das Hintergrundpapier "Atomkraftwerke in alle Welt - nicht wieder mit Staatsgeld" untersucht die Gefahren der Atomexportförderung am Beispiel der vier Länder China, Indien, Brasilien und Argentinien und beleuchtet Fragen der Bevölkerungsbeteiligung bei Genehmigungsverfahren, Sicherheitsstandards, Lagerung der radioaktiven Abfälle und der Verschuldungswirkung von Atomkraftwerken. Es kann von der urgewald-Website heruntergeladen werden.

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