zelaya_rosales_manuel_2006_100Tegucigalpa/Berlin (epo.de). - Der gestürzte Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, hat nach seinem zweiten vergeblichen Versuch in sein Heimatland zurückzukehren jetzt ein Zeltlager an der nicaraguanisch-honduranischen Grenze errichtet. Zelaya hatte am Freitag im Rahmen einer filmreifen Inszenierung, begleitet von einem Troß von Anhängern, Fernsehteams und Presseleuten, am Grenzübergang Los Manos für einige Meter die Grenze von Honduras überschritten und war danach wieder auf nicaraguanischen Boden zurückgekerht. Er kündigte an, er werde "Tag und Nacht ausharren" und auf eine Gelegenheit zur Rückkehr warten.

Auf der honduranischen Seite der Grenze hatten am Freitag Grenzpolizisten und Soldaten auf Zelaya gewartet. Sie hatten Anweisung ihn festzunehmen. Anhänger des entmachteten Präsidenten versuchten am Wochenende vergeblich, sich der Grenze zu nähern. Agenturberichten zufolge wurden sie mit Tränengas zurückgetrieben. An mehreren Orten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Zelaya-Unterstützern und Sicherheitskräften. Die US-Regierung hatte vor einer Eskalation der Lage durch die Aktion gewarnt.

Zelaya war Ende Juni, nur eine Stunde vor einem umstrittenen Referendum, von Soldaten festgenommen und nach Costa Rica ins Exil gebracht worden. Zelaya sprach von einer "Entführung" und einem "Putsch". Das Parlament in Honduras wählte danach den Parlamentspräsidenten Roberto Micheletti als Interims-Staatschef bis zu den im November geplanten Präsidentschaftswahlen.

Der Machtkampf in den mittelamerikanischen Land, in dem in den letzten 150 Jahren 125 Militärputsche stattfanden, hatte sich daran entzündet, dass Zelaya eine Volksbefragung angeordnet hatte, obwohl laut Verfassung das Recht auf die Einberufung von Referenden dem Parlament vorbehalten ist. Der Oberste Gerichtshof des Landes hatte das für 28. Juni geplante Referendum für ungültig erklärt.

In Honduras riefen Zelayas Anhänger in der letzten Woche einen Generalstreik aus, um Druck auf die Interimsregierung zu machen, und besetzten Verkehrswege, Häfen und Regierungsgebäude in der Hauptstadt  Tegucigalpa. Zelaya hatte drei Wochen zuvor bereits den Versuch gemacht, per Flugzeug nach Honduras zurückzukehren. Die Regierung hatte jedoch die Landebahnen blockieren lassen. Bei Protesten kam offiziellen Angaben zufolge ein Mensch ums Leben.



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