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Foto: Myanmar Malteser LabuttoBerlin/Köln/Friedrichsdorf (epo.de). - Sechs Monate nachdem der Zyklon "Nargis" die südliche Küstenregion von Myanmar (Birma) verwüstet hat, leiden immer noch hunderttausende Menschen unter den Folgen der Katastrophe. "In den ländlichen Gegenden des Irrawaddy-Deltas leben viele Familien in nur notdürftig reparierten Hütten, Kinder hungern, sind unterernährt und krank", berichtete World Vision-Mitarbeiterin Helga Stamm-Berg am Freitag.

"Durch die Überschwemmungen haben die Menschen nicht nur Ihre Essensvorräte und die aktuelle Ernte verloren", sagte Stamm-Berg, "sondern das Meerwasser hat zudem den Boden so versalzen, dass auch die nächste Ernte schlecht ausfallen wird." In der ländlich geprägten Region sei abzusehen, dass Familien in den nächsten Monaten zu wenig Nahrungsmittel haben werden. Stamm-Berg: "Männer, Frauen und vor allem Kinder brauchen weiterhin unsere Hilfe, mindestens bis nächstes Jahr April."

Die Malteser melden auch positive Entwicklungen. "Gerade im besonders betroffenen Irrawaddy Delta waren wir sehr erfolgreich darin, den Ausbruch ansteckender Krankheiten zu verhindern. Langsam finden die Menschen in dieser Region wieder in ein normales Leben zurück", sagte Roland Hansen, Leiter Asien von Malteser International. Eine große Herausforderung sei jedoch die Trinkwasserversorgung.

In und um die stark zerstörte Küstenstadt Labutta sowie auf der Insel Middle Island seien die Malteser eifrig dabei, Gesundheitszentren und Schulen zu renovieren und neu zu errichten. Dringend notwendig sei der Bau weiterer Haushaltslatrinen, heißt es seitens der Malteser. Diese wollen umfassend und ganzheitlich helfen: Speziell ausgebildete Freiwillige unterstützen die Überlebenden dabei, ihre Trauer über den Verlust von Angehörigen und Freuden zu verarbeiten.

Insgesamt konnten die Malteser in den vergangenen sechs Monaten nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Menschen medizinisch versorgen und ihnen sauberes Trinkwasser, Latrinen und Hilfsgüter wie Seife, Kochgeschirr und Moskitonetze zur Verfügung stellen. Die Hilfsprojekte werden unter anderem finanziell unterstützt von der Caritas, dem Auswärtigen Amt, ECHO, dem UNHCR und der kanadischen Organisation CECI.

Mit der Regierung Myanmars hätten internationale Hilfsorganisationen einen Wiederaufbauplan erarbeitet, berichtete World Vision weiter. Dieser sehe Maßnahmen in sechs Sektoren vor: Bau von Unterkünften, Verbesserung von Gesundheit, Wasserversorgung und Hygiene, Förderung des Einkommens, Stärkung der Bildung sowie Katastrophenvorsorge.

World Vision hat eigenen Angaben zufolge bisher über 55.000 Haushalte mit Schutzplanen, Haushaltswaren, Hygienepaketen, Wasserbehältern und Moskitonetzen versorgt. Mehr als 250.000 Menschen haben bereits Nahrungsmittel bekommen. Die Verteilungen sollen bis zum Frühjahr weitergehen.

Um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser zu gewährleisten, wurden 250 der sogenannten "ponds", die als Trinkwasserreservoirs genutzt werden, gereinigt. Zusätzlich wurden vier beschädigte Gesundheitszentren wieder aufgebaut, Familien darin geschult, wie Durchfallerkrankungen vorgebeugt werden können und Workshops in Sachen "Hygiene" und "sauberes Trinkwasser" veranstalte.

Zur Stärkung der Landwirtschaft sind im Raum Bogale 350 Kleinbauern mit einachsigen Traktoren, inklusive Treibstoff, ausgestattet worden. Und speziell für Kleinkinder und Kinder wurde 82 sogenannte "Child Friendly Spaces" organisiert. Dort finden Mädchen und Jungen Schutz, Betreuung und Unterstützung bei der Suche nach ihren Familien.

"Derzeit wird befürchtet, dass nach Ende des Monsunregens akute Trinkwasserknappheit auftreten wird", sagte Helga Stamm-Berg. Außerdem gebe es aktuelle Warnungen, nach denen in Zukunft weitere Zyklone in der Küstenregion Myanmars zu erwarten seien. "Um nicht ähnliche Katastrophen wie nach "Nargis" zu riskieren, müssen Notpläne erstellt und die Bevölkerung trainiert werden."

Der Zyklon "Nargis" hatte am 2. Mai die Küstengebiete Myanmars verwüstet. Es war die schlimmste Katastrophe in der Geschichte des Landes. Nach Angaben der Behörden kamen rund 85.000 Menschen ums Leben, 54.000 gelten offiziell noch als vermisst. Der Sturm beschädigte rund 800.000 Hütten und Häuser und zerstörte 60 Prozent der öffentlichen Schulen. Insgesamt waren 2,4 Millionen Menschen betroffen.

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