savethechildrenBerlin. - 400 Millionen Kinder sind weltweit von Diskriminierung betroffen und leben in extremer Armut. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Report "Every Last Child" von Save the Children hervor. Gerade die besonders benachteiligten Mädchen und Jungen profitieren demnach am wenigsten von den Fortschritten in der Armutsbekämpfung.

Das liegt dem Bericht zufolge an geografischen, geschlechterspezifischen oder ethnischen Ursachen, an einer Behinderung oder an der Tatsache, dass sie in einem Konfliktgebiet leben müssen. Von den 16.000 Kindern, die weltweit jeden Tag an vermeidbaren Ursachen sterben, gehört eine überproportional große Zahl zu den ausgegrenzten Gruppen.

"Es ist kein Versehen, dass gerade diese Kinder von einer überlebenswichtigen Grundversorgung ausgeschlossen werden: Das geschieht systematisch", betont Susanna Krüger, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland. "Armut und Diskriminierung führen zu Ausgrenzung – in armen wie in reichen Ländern. Öffentliche und staatliche Einrichtungen müssen sich genauso verändern wie bestimmte Gesetze und Regelungen. Ausgegrenzten Gruppen muss es möglich gemacht werden, Entscheidungen auf lokaler, staatlicher und internationaler Ebene mit zu gestalten. Vor allem müssen die betroffenen Mädchen und Jungen Zugang zu Gesundheit, Bildung und Ernährung bekommen. Sonst können die Nachhaltigkeitsziele bis zum Jahr 2030 nicht erreicht werden."

Momentan spitzt sich die Lage laut Save the Children weiter zu. Im schlimmsten Fall könnten die Folgen von Ausgrenzung tödlich sein. Mangelnde Gesundheitsversorgung, Gewalt und Kinderschwangerschaften führten zu Mütter- und Kindersterblichkeit. Ein Beispiel ist Sierra Leone: Das Land hat weltweit eine der höchsten Raten bei Teenager-Schwangerschaften und 40 Prozent aller Mütter, die aufgrund von Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen sterben, sind minderjährige Mädchen. Schwangere Mädchen dürfen auch nicht zur Schule gehen und keine Abschlussprüfungen ablegen.

Auch Frühverheiratung ist hauptsächlich ein Problem für die ärmsten Mädchen der Welt. In Tansania sind 61% der Mädchen, die keine Schulbildung haben, beim Erreichen ihres 18. Lebensjahrs verheiratet. Bei denen, die über eine Sekundärschulausbildung oder sogar darüber hinaus verfügen, sind es nur 5%.

Eine weitere sehr große Gruppe unter den besonders benachteiligten Kindern sind laut Bericht diejenigen, die mit einer Behinderung leben müssen. Sie sind drei bis vier Mal häufiger Opfer von physischer oder sexueller Gewalt und Vernachlässigung als ihre nicht-behinderten Altersgenossen. Außerdem führen Konflikte dazu, dass neue Gruppen ausgegrenzter Kinder entstehen: Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Im Durchschnitt sterben Kinder, wenn sie in Konfliktregionen geboren wurden, doppelt so häufig vor ihrem fünften Geburtstag wie die in friedlichen Ländern.

Das Problem der Ausgrenzung betrifft auch reiche Länder. Während Australien eines der höchsten Bildungsniveaus weltweit vorweisen kann, haben Kinder, die zu der Gruppe der Aborigines oder Torres Strait Insulaner gehören, seit 2008 keine Lese- oder Mathematikfortschritte mehr gemacht. Auch Kanadas indigene Kinder bleiben hinter den Gleichaltrigen ihres Landes zurück. Diese Gruppe weist sich aus durch geringere Familieneinkommen, geringere Bildungserfolge, hohe Kindersterblichkeit und eine hohe Selbstmordrate.

"Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Wenn wir nicht endlich mehr für die ausgegrenzten Kinder dieser Welt unternehmen, werden selbst die reichsten Länder dabei versagen, die selbst gesteckten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Jedes Kind muss ausnahmslos die gleichen Chancen haben!", fordert Susanna Krüger.

Neben dem Report startet Save the Children mit der weltweiten Kampagne "Every Last Child", um dem Problem der Ausgrenzung nachdrücklich und umfassend zu begegnen. Die Organisation fordert für jedes Kind die gleichen Rechte und Überlebenschancen sowie Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Ernährung.

=> Bericht "Every Last Child" (PDF)

Quelle: www.savethechildren.de 


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