inkota 200Berlin. - Die Kakao-Branche ist von fairer Schokolade noch immer weit entfernt. Das ist das bittere Zwischenergebnis einer Verbraucher-Aktion der INKOTA-Kampagne Make Chocolate Fair!. Führende Schokoladenhersteller können demnach weiterhin nicht nachweisen, dass die an der Produktion beteiligten Kakaobauernfamilien über ein existenzsicherndes Einkommen verfügen.

Unter dem Motto "#nachgehakt: Ist meine Lieblings-Schoki fair?" haben seit September Kundinnen und Kunden bei 65 Schokoladenunternehmen nachgefragt, was diese gegen Armut, Hunger und missbräuchliche Kinderarbeit in Kakaoanbauländern tun. Nestlé, Ferrero, Ritter Sport und 14 weitere Unternehmen haben geantwortet.

"Schokolade ist erst dann fair, wenn Kakaobauern über ein existenzsicherndes Einkommen verfügen“, stellt INKOTA-Referentin Evelyn Bahn klar. "Die meisten Kakaobauernfamilien haben aber pro Familienmitglied am Tag weniger zur Verfügung, als ein Schokoladen-Nikolaus bei uns kostet. Auch wer Kinderarbeit bekämpfen möchte, muss vor allem die extreme Armut reduzieren." Nach Berechnungen der Kampagne Make Chocolate Fair! müsste das Einkommen der Bauern viermal höher sein als heute, damit sie aus der extremen Armut entkommen könnten.

Der Dachverband der Europäischen Süßwarenindustrie (CAOBISCO) hatte bereits 2015 versprochen, dass Schokoladenunternehmen ihre Bemühungen zur Bekämpfung von Armut und Kinderarbeit beschleunigen. Immer mehr Unternehmen unterstützen Kakaobauernfamilien auch durch Trainings und Schulungen oder lassen ihren Kakao durch UTZ, Fairtrade oder Rainforest Alliance zertifizieren – wie auch die Antworten auf #nachgehakt zeigen. Sie geben allerdings keine Auskunft darüber, ob sich dadurch tatsächlich etwas für die Kakaobauernfamilien verbessert hat. Die Kampagne Make Chocolate Fair! fordert deshalb eine transparente Berichterstattung von den Unternehmen, die darüber informiert, ob ihre Nachhaltigkeitsprojekte tatsächlich zur Bekämpfung von Kinderarbeit und Armut führen.

Notwendig sei außerdem eine Anhebung der Prämien für zertifizierten Kakao von Zertifizierungsorganisationen wie Fairtrade. Durch Zertifizierung und Prämien werden bisher Einkommenssteigerungen von nur etwa zehn Prozent erreicht. Die garantierte Prämie von Fairtrade beträgt derzeit 200 US-Dollar pro Tonne. Bei anderen Zertifizierungsorganisationen müssen die Bauern die Prämien sogar selbst verhandeln. "Als Vorreiter des Fairen Handels sollte Fairtrade dringend die garantierten Prämien für zertifizierten Kakao erhöhen", so Bahn. "Sie sind ein sinnvolles Instrument, um den unfairen Weltmarktpreis zu umgehen und die Einkommen der Kakaobauernfamilien anzuheben."

Die Antworten der Schokoladenunternehmen zu #nachgehakt zeigen, dass viele Projekte auf Produktivitätssteigerung zielen. Allein dadurch werden die Bauern der Armut aber nicht entkommen. Es besteht sogar die Gefahr, dass ein Überangebot von Kakao zu sinkenden Preisen führt. Einen Schritt weiter geht das von vielen Unternehmen genannte Pilot-Projekt Pro Planteurs des Forum Nachhaltiger Kakao. Es setzt nicht allein auf Ertragssteigerungen, sondern legt einen Schwerpunkt auf die Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion. Dadurch soll die Abhängigkeit der Bauern von Kakao reduziert und die Biodiversität gestärkt werden. "Pro Planteurs steckt noch in den Kinderschuhen“, so Bahn. „Wenn die Theorie in der Praxis Erfolg hat, bleibt zu hoffen, dass das Projekt eine Messlatte für alle Nachhaltigkeitsinitiativen wird.“

Make Chocolate Fair! ist eine europäische Kampagne von zivilgesellschaftlichen Organisationen aus 16 europäischen Ländern. Die Kampagne wird international von einer wachsenden Zahl von Menschen und Initiativen aus Europa, Afrika und Lateinamerika getragen. INKO-TA hat die Kampagne im Jahr 2013 initiiert und koordiniert die Kampagne in Deutschland. Im Dezember 2015 überreichten Kampagne-Aktivisten 122.000 Unterschriften für eine Petition an die Schokoladenindustrie. Bei der Aktion #nachgehakt: Wie fair ist meine Lieblings-Schoki? haken VerbraucherInnen bei Schokoladenunternehmen per Email nach, was gegen Armut und Kinderarbeit in den Kakaoanbau-ländern getan wird.

Quelle: inkota.de


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