savethechildrenBerlin. - Tausende Kinder harren noch immer im völlig zerstörten Ostteil von Aleppo aus. Diese Mädchen und Jungen müssten sofort evakuiert werden, fordert die Kinderrechtsorganisation Save the Children. Alle Zivilisten, die evakuiert werden, müssten dorthin gehen können, wohin sie möchten. Außerdem müsse der neu ausgehandelte Waffenstillstand überwacht und dringend eingehalten werden, erklärte die Organisation am Donnerstag in Berlin.

"Kriegsschauplätze sind keine Orte für Kinder", sagte Helle Thorning-Schmidt, CEO von Save the Children International. "Das gestrige Scheitern und die offenbar langwierigen Gespräche über eine neue Feuerpause haben zu noch mehr toten Zivilisten geführt. In politischen oder militärischen Verhandlungen darf aber nicht um den Schutz der Zivilbevölkerung und humanitäre Hilfe gefeilscht werden. Kinder, Verletzte und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Aleppo können nicht länger warten. Die Evakuierung aller in Ost-Aleppo verbleibender Zivilisten muss nun sicher und vollständig durchgeführt werden."

Save the Children erhält nach wie vor besorgniserregende Informationen aus Aleppo. Nach wie vor seien Tausende Kinder im besetzten Ost-Aleppo eingesperrt, viele von ihnen ohne ihre Eltern, weil sie entweder von ihnen getrennt wurden oder diese ums Leben gekommen sind. Die Kinder befänden sich in größter Gefahr, während sie in der unsicheren Situation ständige Angst vor weiteren Attacken hätten und sich verstecken müssten. Es sei nicht möglich, diejenigen zu zählen, die verletzt wurden. Die Verstecke für Familien seien immer spärlicher geworden, das medizinische Personal habe wegen der intensiven Angriffe nicht mehr auf die Straßen gehen können, um die Opfer zu versorgen.

Rami, ein Mitarbeiter der Save the Children-Partner-Organisation Shafak, die sich in den letzten verbleibenden medizinischen Räumen in Ost-Aleppo um Verwundete kümmert, erzählte, dass die schwer beschädigten Einrichtungen überfüllt waren von Frauen und Kindern. Viele Patienten hätten komplizierte Verletzungen, für deren Behandlung dem Personal Ausrüstung und Medikamente fehlten: "Viele Kinder sind durch Bombensplitter verletzt, aber im Krankenhaus können wir auch nichts mehr für sie tun. Das medizinische Personal ist in dieser Situation völlig gelähmt. Es gibt fünf Menschen mit Unterleibsverletzungen, die dringend eine Operation brauchen. Zwei andere benötigen Gefäßoperationen, fünf wiederum orthopädische Eingriffe, und sieben weitere brauchen Nervenoperationen. Die meisten Menschen sterben, weil die Ärzte sich nicht adäquat um sie kümmern können. Momentan hängt das Leben von sieben Patienten an einem einzigen handbetriebenen Ventilator, weil es keinen Sauerstoff mehr gibt", beschreibt der Helfer die verzweifelte Lage.

"Wir befürchten, dass zahlreiche Kinder in den gestrigen Beschüssen verletzt oder getötet wurden, vor allem durch den Einsatz von Streubomben, die in dieser Gegend, wo viele Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht sind, umso verheerendere Wirkungen erzielen", sagte Nick Finney, Save the Childrens Regionaldirektor in Nordsyrien. "Gestern war der Tag, an dem Verletzte aus Ost-Aleppo heraus gebracht werden sollten, um endlich behandelt zu werden und so überleben zu können. Auch Kinder und andere Zivilisten hätten eigentlich Aleppo auf sicheren Wegen verlassen sollen. Stattdessen wurde die Situation für sehr viele lebensbedrohte Kinder von Stunde zu Stunde schlimmer. Wenn die Evakuierung jetzt nicht klappt, dann sterben noch viele weitere Kinder."

Unter den Menschen, die darauf warten, endlich evakuiert zu werden, sind auch Mitarbeiter von humanitären Organisationen. Rund 300 Mitarbeiter von Save the Childrens Partnern sind mit ihren Familien in dem besetzten Gebiet gefangen.

Quelle: www.savethechildren.de 


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