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unicef neu 150Köln. - UNICEF ist besorgt über die große Zunahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Italien. Etwa 25.800 unbegleitete Minderjährige kamen 2016 dort nach gefährlicher Überfahrt über das Mittelmeer an. Damit hat sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, als Italien 12.360 unbegleitete Kinder und Jugendliche aufnahm, berichtete das Kinderhilfswerk am Freitag.

Damit machen die unbegleiteten oder von ihren Eltern auf der Flucht getrennten Mädchen und Jungen 91 Prozent der insgesamt 28.200 Minderjährigen aus, die im vergangenen Jahr Italiens Küsten als Flüchtlinge oder Migranten erreichten.

"Die wachsende Zahl besonders verletzlicher Kinder, die ihr Leben riskieren, um nach Europa zu gelangen, zeigt einen alarmierenden Trend", erklärte Lucio Melandri, UNICEF-Nothilfe-Koordinator für die Flüchtlingskrise in Europa. "Die bestehenden Kinderschutzsysteme bieten diesen Kindern, die sich allein in einer völlig ungewohnten Umgebung aufhalten, vielfach keinen ausreichenden Schutz. Um die Minderjährigen auf der Flucht zu schützen, ist eine koordinierte europäische Lösung erforderlich."

Die meisten unbegleiteten Kinder und Jugendlichen, die im vergangenen Jahr in Italien ankamen, stammen aus Eritrea, Ägypten, Gambia und Nigeria. Die Mehrzahl von ihnen waren Jungen zwischen 15 und 17 Jahren, aber auch jüngere Kinder und Mädchen waren darunter. Besonders Mädchen sind gefährdet, Opfer von sexueller Ausbeutung und Missbrauch zu werden. Das schließt auch die Gefahr der kommerziellen sexuellen Ausbeutung durch kriminelle Banden ein. Mehrere Mädchen, die Mitarbeiter von UNICEF in Palermo interviewten, berichteten, in Libyen zur Prostitution gezwungen worden zu sein, um die Kosten für die Überfahrt des Mittelmeeres zu "bezahlen". Viele Jungen, die in Libyen ankommen, werden dort zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen.

Ausschließlich auf der Mittelmeerroute von Nordafrika nach Italien ist der Anteil von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen unter den Flüchtlingen und Migranten so hoch. Zum Vergleich: Nur 17 Prozent der geflüchteten oder migrierten Kinder, die Griechenland über den Seeweg erreichten, kamen ohne die Begleitung ihrer Eltern.

"Die Zahl der unbegleiteten oder von ihren Eltern getrennten Kindern entlang der zentralen Mittelmeerroute ist beispiellos", so Melandri. "Es ist offensichtlich, dass wir vor einem ernstzunehmenden und dringenden Problem stehen. Abgesehen von der Bekämpfung der Ursachen, die diese Kinder dazu zwingen ihre Heimat allein zu verlassen, müssen wir ein umfassendes Schutz- und Monitoringsystem entwickeln, damit sie besser geschützt sind."

UNICEF setzt sich für sechs Maßnahmen ein, um diesen Kindern und Jugendlichen zu helfen:

•           Geflüchtete und migrierte Kinder, insbesondere unbegleitete Minderjährige, müssen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden.

•           Die Inhaftierung von Kindern aufgrund ihres Aufenthaltsstatus muss aufhören.

•           Die Wahrung der Familieneinheit ist der beste Weg, Kinder zu schützen und ihnen einen sicheren rechtlichen Status zu geben.

•           Alle geflüchteten und migrierten Kinder müssen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Betreuung haben.

•           Fluchtursachen müssen bekämpft werden.

•           Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Marginalisierung müssen gefördert werden.

Quelle: unicef.de


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