unicefKöln. - Rund 100 Tage nach der Offensive zur Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul haben die Kämpfe im Ostteil der Stadt so weit nachgelassen, dass 30 Schulen wieder den Betrieb aufnehmen konnten. 16.000 Schülerinnen und Schüler in Ost-Mossul gehen mit Unterstützung von UNICEF jetzt wieder zur Schule. Währenddessen warnt UNICEF gemeinsam mit anderen internationalen Hilfsorganisationen vor der Zuspitzung der Lage von rund 750.000 Zivilisten im Westteil von Mossul.

Einige Schulen in Ost-Mossul waren nach Angaben von UNICEF bis zu zwei Jahre lang geschlossen, und ein Großteil der Mädchen war von Bildung ausgeschlossen. "Noch vor ein paar Wochen waren diese Stadtviertel von Gewalt geprägt. Jetzt gehen Mädchen und Jungen wieder zum Unterricht", sagte Peter Hawkins, Leiter von UNICEF im Irak. "Nach dem Albtraum der vergangenen zwei Jahre ist es ein Schlüsselmoment für die Kinder von Mossul, dass sie ihre Schulbildung wieder aufnehmen und Hoffnung auf eine bessere Zukunft zurückgewinnen."

40 weitere Schulen sollen in den kommenden Wochen ihre Tore für insgesamt 40.000 Schülerinnen und Schüler öffnen. Die lokalen Behörden prüfen derzeit, ob sich Blindgänger in den Gebäuden befinden.

UNICEF unterstützt die irakischen Behörden dabei, weitere Schulen instand zu setzen und auszustatten, sobald die Sicherheitslage es erlaubt. Viele Schulgebäude wurden für militärische Zwecke genutzt oder durch die Kämpfe schwer beschädigt. UNICEF stellt Lernmaterial für insgesamt 120.000 Kinder in Ost-Mossul bereit, unterstützt die Wasserversorgung, die Reparatur der sanitären Einrichtungen und hilft bei der Schulung von Lehrern. In den Flüchtlingscamps rund um Mossul wurden Notschulen eingerichtet, so dass vor kurzem vertriebene Kinder Unterricht in Mathematik, Naturwissenschaften, Arabisch und Englisch erhalten.

Während es in Ost-Mossul Zeichen der Entspannung gibt, sind internationale Hilfsorganisationen sehr besorgt um die rund 750.000 Menschen im Westteil der Stadt, zu dem sie derzeit keinen Zugang haben. In einer gemeinsamen Erklärung warnten sie davor, dass in den nächsten Wochen Kämpfe in West-Mossul ausbrechen werden und Zivilisten in großer Gefahr sind. Schon jetzt ist Berichten zufolge die humanitäre Situation in West-Mossul sehr angespannt: Lebensmittelpreise sind stark gestiegen, und die Versorgung mit Strom und Wasser ist häufig unterbrochen.

"Wir wissen nicht, was in West-Mossul passieren wird – aber wir können die Möglichkeit von belagerungsähnlichen Zuständen oder einer Massenflucht nicht ausschließen", sagte die UN-Koordinatorin der humanitären Hilfe im Irak, Lise Grande. "Wir sind sehr erleichtert, dass so viele Menschen in ihren Häusern in Ost-Mossul bleiben konnten. Wir hoffen, dass jetzt alles getan wird, um Hunderttausende Menschen auf der anderen Seite des Flusses im Westen zu schützen. Wir haben Angst um ihr Leben."

Seit Oktober vergangenen Jahres seien rund 160.000 Menschen aus Mossul vor den Kämpfen geflohen, berichtete UNICEF. Insgesamt seien rund drei Millionen Iraker innerhalb des Landes auf der Flucht. UNICEF schätzt, dass 4,7 Millionen Kinder und Jugendliche vom Irak-Konflikt betroffen sind und Hilfe benötigen.

Quelle: www.unicef.de 


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