wvBerlin. -  Der Frieden in vielen Ländern ist in Gefahr. Weltweit gibt es derzeit 38 hochgefährliche Konflikte und immer mehr Kinder wachsen in Krisenregionen auf. "Diese Kinder werden vergessen - auch von der Politik", betonte Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland am Donnerstag bei der Veröffentlichung der Jahresbilanz.

"Sie werden vergewaltigt, verstümmelt und als Kindersoldaten und Selbstmordattentäter missbraucht. Schulen und Krankenhäuser werden gezielt zerstört. Dieses Martyrium der Kinder muss beendet werden." World Vision startet eine Kampagne unter dem Titel "Jeder Einzelne zählt, um Gewalt gegen Kinder zu beenden". Die Hilfsorganisation will damit erreichen, dass vergessene Kinder in Konflikt- und Krisenregionen stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Politik rücken und mehr für sie getan wird.

Mehr als eine Milliarde Kinder pro Jahr überall auf der Welt leiden unter verschiedensten Formen von Gewalt.  Auch extreme Gewalt an Kindern nimmt weiter zu.  So wurden im Jahr 2015 in Nigeria 21 Mädchen als Selbstmordattentäterinnen missbraucht, 6000 neue Kindersoldatinnen und -soldaten wurden weltweit rekrutiert.

Kriegskinder sind oft schwer traumatisiert. Ihre seelischen Verletzungen reichen auch über die Zeit des Konfliktes hinaus und halten oft bis ins Erwachsenenalter an. Manche Kinder haben so schreckliche Dinge erlebt, dass es ihnen im wahrsten Sinne des Wortes "die Sprache verschlagen hat". Der 12jährige John, der aus Südsudan nach Uganda fliehen konnte, erzählt: "Ich sprang über Leichen. Ich sah brennende Autos, Schüsse. Ich rannte um mein Leben. Viele Kinder hatten Schnittwunden und bluteten oder sie hatten sogar abgetrennte Hände oder Füße."

Laut Artikel 19 der Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht auf Schutz vor Gewalt. Auch in Ziel 16 der Nachhaltigkeitsziele, die im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden, wird das Streben nach einer friedlichen und inklusiven Gesellschaft verbunden mit der Forderung nach Schutz für die Schwächsten. Misshandlungen, Menschenhandel, Folter und andere Formen der Gewalt gegen Kinder müssen beendet werden!

Die Umsetzung des Ziels erfordert breites Engagement. Von der deutschen Bundesregierung fordert World Vision unter anderem:

-           Schulen in Konfliktregionen zu schützen und die sogenannte „Safe Schools Declaration“ zu unterzeichnen,

-           ein Verbot von Kleinwaffenexporten,

-           Bildung in humanitären Notlagen und Konfliktregionen zu fördern,

-           Projekte für Kinder, die traumatisiert sind, stärker zu unterstützen.

Internationale Kooperationen zu diesem Thema unterstützt World Vision unter anderem als aktives Mitglied der "Global Partnership to end violence against children". Entwicklungsprogramme von World Vision streben danach, lokale und nationale Kinderschutz-Systeme zu stärken. In Krisengebieten setzt die Organisation schwerpunktmäßig folgende Maßnahmen um:

- Kinderschutz-Aufklärung und Notversorgung
- geschützte Spiel-und Lernzentren
- Behandlung traumatisierter Kinder
- frühkindliche Bildung in Flüchtlingslagern
- Bildung und Ausbildung für arbeitende Kinder und Jugendliche
- Ausbildung und psychosoziale Betreuung für ehemalige Kindersoldaten

JAHRESBERICHT 2016:  12,3 Millionen Menschen in 52 Ländern unterstützt – Einnahmen erstmals über 100 Millionen Euro

World Vision Deutschland e.V. hat im vergangenen Jahr 327 Projekte in 52 Ländern unterstützt. Die mit gezielter Kinderförderung verbundene Entwicklungszusammenarbeit bildet nach wie vor den Hauptschwerpunkt des Engagements im Ausland. Ernährungssicherung, Bildung und Gesundheit wurden am stärksten gefördert. Nothilfe und Katastrophenschutz (in 30 Ländern) machten 15 Prozent der Projektförderung aus..

Erstmals konnte die Kinderhilfsorganisation 2016 Gesamteinnahmen von mehr als 100 Millionen Euro (107,8 Mio. Euro) verzeichnen. „Wir danken allen unseren Spendern, die es uns ermöglicht haben, über 12,3 Millionen Menschen mit unserer Arbeit zu erreichen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern.“, erläutert Vorstand Christoph Hilligen. „Sehr erfreut sind wir über die Steigerung der öffentlichen Fördermittel um 27 Prozent auf 23,3 Millionen Euro.  „Das gewachsene Vertrauen der öffentlichen Geber in uns hat uns ermöglicht mehr an Brennpunkten zu helfen und dort auch Perspektiven zu schaffen, zum Beispiel in Somalia, im Libanon und im Irak “, so Hilligen. In Deutschland unterstützte World Vision ebenfalls mehrere Projekte zur Integration und Betreuung geflüchteter Kinder.

Quelle: worldvision.de


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