gfbvGöttingen. - Vor den Wahlen in Kenia am 8. August hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) darauf hingewiesen, dass die neue Regierung dringend Maßnahmen zur Verhinderung einer Gewalteskalation zwischen Nomaden und Bauern sowie Naturschützern ergreifen muss. "Es muss schnellstens eine friedliche Lösung für die Auseinandersetzungen um Land und die Nutzung von Weideflächen geben", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius in Göttingen. 

"Um bürgerkriegsähnliche Zustände zu verhindern, müssen für die Viehherden der Hirtenvölker neue Weiden ausgewiesen werden", forderte Delius. "Dabei muss es auch ein Umdenken bei der Schaffung immer neuer Wildschutzgebiete und Nationalparks geben. Die Förderung des Safari-Tourismus darf keinen Vorrang vor dem Schutz von Menschenrechten haben." Besonders gefährlich sei die Lage im Bezirk Laikipia im Rift Valley, in dem seit Februar 2017 mehr als 40 Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen Nomaden, Bauern und Polizisten getötet wurden. Rund 10.000 Menschen seien vor der Gewalt bereits geflohen.

Zuletzt starben sechs Polizisten am 12. Juli 2017 in dem Dorf Kamau, als sie von bewaffneten Hirten angegriffen wurden. "Getötet wird meist mit Waffen aus deutscher Lizenzproduktion. Viele Pokot- oder Samburu-Halbnomaden sind mit alten G3-Gewehren von Heckler & Koch bewaffnet", berichtete Delius. Kenias Regierung sehe in dem Konflikt vor allem ein Sicherheits-Problem und schlage mit brutaler Gewalt zurück. "Doch dies schürt nur neue Gewalt und löst nicht die existentiellen Probleme, die die Nomaden dazu bewegen, mit ihren Viehherden auf der Suche nach neuem Weideland in die Felder von Bauern einzufallen."

Zudem habe die Förderung des Safari- und Jagd-Tourismus dazu geführt, dass ständig neue Wildschutzgebiete ausgewiesen werden, die die Nomaden nicht mehr nutzen dürfen, so die GfbV. Der mit Geldern aus den USA und Europa unterstützte Northern Rangelands Trust kontrolliere mit seinen Schutzgebieten für Tiere bereits 44.000 Quadratkilometer - 7,5 Prozent der Landfläche Kenias. Rund 140 Wildreservate wurden in 22 Bezirken eingerichtet. Im besonders umkämpften Bezirk Laikipia sind rund 60 Prozent des Landes bereits Schutzgebiete für Wildtiere.

"Die Bedürfnisse der indigenen Pokot- und Samburu-Nomaden und auch der Kikuyu-Bauern dürfen nicht ignoriert werden. Sie leiden sehr unter dem Verlust von immer mehr Land", kritisierte Delius. Dürren und andere Extremwetterlagen, die durch den Klimawandel verursacht werden, verschärften die Lage. So habe eine Dürre im Herbst 2016 viele Schaf- und Rinderherden von Halbnomaden dezimiert. "Es kann nicht sein, dass Kenias Hirten die durch den Klimawandel verursachten Risiken allein tragen müssen. Sie leisten mit ihrem Vieh einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft des Landes. Schon deshalb müssen sie angemessen gefördert und geschützt werden."

Quelle: www.gfbv.de 


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