gfbvGöttingen. - Menschenrechtler aus Europa helfen den von der brasilianischen Regierung im Stich gelassenen indigenen Guarani-Kaiowá im Bundesstaat Mato Grosso do Sul bei der Verteidigung ihres Landes gegen übermächtige Agrarunternehmen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtete, dass sie zwei ehrenamtliche Delegierte für eine Beobachtergruppe aus sechs europäischen Ländern entsandt hat, die gemeinsam mit dem höchsten Rat der Guaraní-Kaiowá Strategien für ein internationales Netzwerk zur Unterstützung der Indigenen entwickeln will.

"Es kann nicht sein, dass die Guaraní-Kaiowá ihr eigenes Land nicht nutzen können, weil Wirtschaftsinteressen Vorrang vor Menschenrechten eingeräumt wird und der Staat gegen Mord, Einschüchterungen und Vertreibungen durch angeheuerte Söldner kaum einschreitet", kritisierte Yvonne Bangert, GfbV-Referentin für indigene Völker. Obwohl die Indigenen verbriefte Landtitel auf viele Flächen haben, bauen Großgrundbesitzer dort Zuckerrohr und Soja an oder betreiben Rinderzucht. "Wenn vertriebene Indigene auf ihr Land zurückkehren, werden sie mit brutaler Gewalt verjagt. Oft müssen sie dann in Behelfsunterkünften am Straßenrand leben."

Die Delegation aus Europa wird an einer Sitzung des Aty-Guasu-Rates, der großen Versammlung der Guaraní-Kaiowá, teilnehmen. Von mehreren indigenen Anführern begleitet, werden die Menschenrechtler Behausungen von Vertriebenen an den Straßen, traditionelle Aldeias (Dörfer), zurückeroberte und umkämpfte Gebiete sowie Orte besuchen, an denen kürzlich die Leichen indigener Aktivisten gefunden wurden, die seit Jahren als verschwunden galten. 

Der Menschenrechtsorganisation der Bischofskonferenz Brasiliens für indigene Völker CIMI zufolge wurden im Jahr 2015 allein in Mato Grosso do Sul bei gewaltsamen Konflikten 36 Menschen ermordet, die meisten von ihnen Guaraní- Kaiowá. Zahlreiche Anführer wurden getötet und mehrere Siedlungen zerstört. In ihrem aktuellen Jahresbericht beschreibt CIMI zehn solcher Überfälle detailliert.

Die Guaraní-Kaiowá in Mato Grosso do Sul sind mit etwa 50.000 Menschen eines der größten indigenen Völker Brasiliens. Sie leiden große Not, so die GfbV, weil sie ohne eigenes Land keinen Zugang mehr haben zu Land, Wasser, ausreichend großen Anbauflächen. Viele leben von qualitativ schlechter Nahrungshilfe der Regierung oder müssen sich bei den landwirtschaftlichen Großbetrieben als Landarbeiter verdingen, wo sie oft in einen Kreislauf von Lohnknechtschaft geraten. Um zu überleben, müssen sie Kredit bei ihrem Lohnherrn aufnehmen. Da sie nie genug verdienen, um ihre Schulden zu tilgen, müssen sie neue Kredite aufnehmen und verschulden sich so immer mehr.

Quelle: www.gfbv.de 


Back to Top