Buenos Aires/Wuppertal (epo). - In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires beginnt die 10. Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Bis zum 17. Dezember beraten rund 5.000 Experten über den Klimawandel und Gegenmaßnahmen gegen die vom Menschen mit verursachte Erderwärmung. Es ist die letzte Verhandlungsrunde vor dem Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls am 16. Februar 2005.

Das Abkommen verpflichtet die Industriestaaten, den gemeinsamen Ausstoß gefährlicher Klimagase bis 2012 um 5,2 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren. Zukünftige Eckpfeiler internationaler Klimapolitik zeigt ein Vorschlag auf, der vom Wuppertal Institut gemeinsam mit 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus allen Weltregionen entwickelt wurde. Der Vorschlag beinhaltet neben der Forderung nach anspruchsvolleren Reduktionszielen in Industrieländern auch ein Verfahren zur Einbeziehung von Emissionsminderungspflichten in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Diese werden sich nach Ansicht des Wuppertal Instituts nur auf neue Klimaschutzpflichten einlassen, wenn in zukünftigen Verhandlungen auch das Thema "Anpassung an den Klimawandel" mit gleichem Gewicht behandelt wird. Schon heute sei dies für viele verwundbare Regionen des Südens von existenzieller Bedeutung, analysiert das Institut.

"Doch auch in Deutschland ist das Thema Anpassung an den bereits stattfindenden Klimawandel hochaktuell und ein noch kaum entwickeltes Politik- und Forschungsfeld", gibt das Wuppertal Institut zu Bedenken. "Die zunehmenden Extremereignisse, die uns in den letzten 15 Jahren betroffen haben, Stürme wie Lothar und Anatol, Hitzesommer und Starkregenfälle wie im Erzgebirge und Überschwemmungen an den Strömen wie Elbe, Rhein und Oder erfordern mehr als eine nachträgliche Schadensregulierung."

Um Fehlinvestitionen zu vermeiden und angemessene Vorsorge zu treffen, müsse sich insbesondere die Infrastrukturpolitik dieser Aufgabe stellen, fordert das Institut. Gerade bei Infrastrukturprojekten bestehe die Notwendigkeit, eine vorsorgende Anpassungspolitik mit wirtschaftlichem Nutzen und einer aktiven Emissionsminderung zu verbinden. Das Wuppertal Institut kündigte an, seine Forschung insbesondere im Rahmen zukünftiger Energie- und Mobilitätsstrukturen in dieser Hinsicht zu verstärken.

Die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) erhofft sich von der Konferenz "deutliche Signale, um die Klimaschutzanstrengungen erheblich auszuweiten". Ziel müsse es sein, die durchschnittliche globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu halten.

WWFDer Gipfel in Buenos Aires bietet nach Einschätzung des WWF große Chancen, die Umsetzung des Klimaschutzes weltweit zu beschleunigen. "Es muss jetzt ein Weg aufgezeigt werden, wie die internationale Staatengemeinschaft nach dem Jahr 2012 die klimaschädlichen Treibhausgase drastisch reduziert", forderte Regine Günther, Leiterin des Referats Klimaschutz beim WWF Deutschland in Frankfurt am Main. Es sei ein wichtiges Signal, dass das Kyoto-Protokoll im nächsten Jahr in Kraft trete, damit würden die Vereinbarungen verbindlich.

Gleichzeitig müsse in Argentinien sichergestellt werden, dass Staaten wie die USA und Australien, die das Protokoll nicht unterzeichnet haben, die weiteren Verhandlungen nicht länger blockieren, forderte der WWF. "Natürlich muss die Tür auch für weitere Länder offen bleiben, aber mehr als einen Beobachterstatus dürfen sie bis zur eigenen Ratifizierung nicht erhalten. Den Bremsern darf nicht länger erlaubt werden, den gesamten Prozess aufzuhalten", betonte Regine Günther.

 UNFCCC


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