msf logoNairobi/Berlin (epo.de). - In der Region Galgaduud in Zentral-Somalia haben heftige Kämpfe zwischen zwei bewaffneten Gruppen und zahlreichen Opfern geführt. Zehntausende Menschen seien durch die gewaltsamen Auseinandersetzungen zur Flucht gezwungen worden, berichtete die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Dienstag in Berlin.
Zwischen 45.000 und 60.000 Menschen sollen aus Guri El und Dhusa Mareb, der Hauptstadt der Region, geflohen sein, um Zuflucht in ländlichen Gebieten zu suchen, wo sie jedoch von dringend benötigter Hilfe praktisch abgeschnitten sind. "Während sich die internationale Aufmerksamkeit größtenteils auf die Piraterie in somalischen Gewässern konzentriert, bleibt das Leiden von Millionen Somalis weitgehend unbeachtet", kritisierte Ärzte ohne Grenzen.

Nach heftigen Auseinandersetzungen zweier bewaffneter Gruppen am vergangenen Sonntag behandelten Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen im Istarlin Krankenhaus in der Stadt Guri El nach eigenen Angaben 46 Verwundete. Damit hätten seit dem Ausbruch der Kämpfe vor zwei Wochen insgesamt 86 Verletzte behandelt werden müssen.

"Die Situation in der Region Galgaduud hat sich Tag für Tag verschlechtert", sagte Tom Quinn, der die Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Somalia koordiniert. "Guri El ist, wie zuvor Dhusa Mareb, eine Geisterstadt geworden. Bisher kamen etwa 200 Kinder in der Woche in unsere Krankenstationen, nun sehen wir fast keine Kinder mehr. Das ist sehr beunruhigend, denn wir kennen die großen Nöte. Zehntausende Frauen, Kinder und ältere Menschen sind geflohen und haben nun Schwierigkeiten, Nahrung, Wasser und medizinische Hilfe zu finden."

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen erfuhren, dass Familien ihre Lager unter Bäumen aufschlagen und auch in der Nacht im Freien schlafen müssen. Die Auswirkungen des anhaltenden Konflikts in einer Region, in der Nahrung bereits knapp ist, könnte insbesondere in Kombination mit einem Mangel an Wasser und medizinischer Versorgung zu einer katastrophalen Situation führen. Bereits in stabileren Zeiten behandelte das von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Istarlin Krankenhaus jeden Monat 80 bis 100 schwer mangelernährte Kinder.

"Die Menschen, die vor der Gewalt geflohen sind, müssen versorgt werden", so Quinn. "In der Region Galgaduud ist das aber immer schwieriger geworden. Sowohl der Luft- als auch der Straßentransport sind wegen der unsicheren Lage beschränkt worden, was die Bereitstellung von Hilfs- und medizinischen Gütern erschwert."

Nach tagelangen Verhandlungen hat Ärzte ohne Grenzen damit begonnen, mit Lastwagen Wasser zu den Vertriebenen von Guri El und Dhusa Mareb zu transportieren. Vor dem Hintergrund eines sich ständig verändernden Konflikts sei es jedoch schwierig, Hilfe zu leisten.

Ärzte ohne Grenzen hat in neun Regionen im Süden und im Zentrum Somalias medizinische Programme. Im Istarlin Krankenhaus in Guri El arbeitet die Organisation seit 2006. Im Jahr 2008 sind dort im Durchschnitt monatlich 3.700 Menschen behandelt worden. Ärzte ohne Grenzen betreibt in der Region außerdem zwei Gesundheitsposten. Im vergangenen Jahr sind dort monatlich rund 1.600 Konsultationen durchgeführt worden.

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