Dr. Reinhard HermleBerlin/Bonn (epo). - Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) sieht Deutschland in der Pflicht, sich für die Überwindung der weltweiten Armut und für einen gerechten Welthandel einzusetzen. Dies betonte der VENRO-Vorstand heute bei einem Gespräch mit Bundespräsident Horst Köhler über die Rolle der deutschen Nichtregierungsorganisationen (NRO) in der Entwicklungszusammenarbeit und die entwicklungspolitische Bilanz nach dem G8-Gipfel von Gleneagles und dem Millennium+5-Gipfel in New York.

Das Jahr 2005 böte eine historische Gelegenheit für Fortschritte bei der weltweiten Überwindung der Armut. Doch leider seien bisher viele Chancen nicht genutzt worden, resümierte der VENRO-Vorstandsvorsitzende Reinhard Hermle. So gestalteten sich die in Gleneagles und New York erzielten Fortschritte quälend langsam und blieben hinter den entwicklungspolitischen Erfordernissen weit zurück. Die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) erscheine auch nach diesen Gipfeltreffen weiterhin ernsthaft gefährdet.

Obwohl es in einigen Ländern Fortschritte gebe, würden gerade die ärmsten Staaten viele Ziele nicht erreichen - insbesondere in Afrika, sagte Hermle. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Afrika-Reise des Bundespräsidenten im November erläuterten die VENRO-Vertreter ihre Sicht auf die entwicklungspolitischen Herausforderungen der Länder südlich der Sahara und zeigten den Beitrag der deutschen entwicklungspolitischen NRO auf. Dabei untermauerten sie ihre Forderung nach mehr Mitteln für die Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und einer stärkeren Arbeitsteilung zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Trägern.

Hermle betonte zudem, dass gerade angesichts drängender innenpolitischer Probleme die Entwicklungspolitik und die internationale Dimension der Wirtschafts-, Finanz- und Handelspolitik nicht aus dem Blickfeld geraten dürften. Nationale Probleme ließen sich nicht ohne die Einbeziehung globaler Fragen lösen. Bei der im Dezember in Hongkong stattfindenden Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) sei Deutschland erneut aufgefordert, sich engagiert für die Schaffung gerechter Handelsstrukturen einzusetzen. Diese müssten die Entwicklungsländer in den Welthandel integrieren, ohne ihre innere Entwicklung und Strategien zur Armutsbekämpfung zu unterlaufen.

VENRO setzt sich für mehr und wirksamere Entwicklungszusammenarbeit, einen umfassenden Schuldenerlass für die ärmsten Länder und ein gerechteres Welthandelssystem ein. Der Verband, dem rund 100 deutsche NRO angehören, fordert eine engagierte deutsche Politik zur weltweiten Armutsbekämpfung und zur Erreichung der MDGs.

Als deutscher Träger einer weltweiten Initiative "Global Call to Action against Poverty" hat die von VENRO getragene Aktion "Deine Stimme gegen Armut" am 9. September 300.000 Stimmen gegen weltweite Armut an die Bundesregierung übergeben. Anlässlich des Weltjugendtages hatte auch der Bundespräsident auf dem Bonner Münsterplatz ein weißes Band - Symbol der weltweiten Aktion - unterzeichnet.

VENRO


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