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mohammed amina j 264Berlin. - Es ist eine resolute Dame, die mir in ihrem schönen afrikanischen Gewand im Café Moskau gegenübersitzt. Sie lässt sich nicht so leicht aus dem Konzept bringen. Auch nicht als ich sie frage, warum das Geld von den Armen in den reichen Ländern genommen wird, das als Entwicklungshilfe an die Reichen in den armen Ländern geht. "Warum nehmen Sie es nicht von den Reichen?", sage ich. Sie lacht. Die Frage war frech. Amina J. Mohammed, die Sondergesandte von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon für "Post-2015 Development Planning", antwortet umschweifig, ausweichend. Am Ende des Gesprächs sagt sie: "Geben Sie die Hoffnung nicht auf!"

Im Café Moskau ist am Freitag das zweitägige High Level Symposium "Accountable and effective development cooperation in a post-2015 era" zu Ende gegangen. Schwarze Limousinen warten auf der Karl-Marx-Alle, der früheren DDR-Prachtstraße, auf ihre hochrangigen Passagiere. Einige Minister sind unter ihnen, zahllose Staatssekretäre, Politikberater und Lobbyisten.

"Earth provides enough to satisfy every man's need, but not every man's greed", hat Mahatma Gandhi einmal gesagt. Die Gewinne, die die 100 reichsten Menschen der Welt ihrem Vermögen allein 2012 hinzugefügt haben, würden ausreichen, die globale Armut vier Mal zu beseitigen. Amina J. Mohammed (52), seit 7. Juni 2012 "Special Adviser on Post-2015 Development Planning" bei den Vereinten Nationen, hat die Gier erlebt, als Nigerianerin und Leiterin verschiedener NGOs. Sie gründete das "Center for Development Policy Solutions". Zuletzt war die vierfache Mutter "Senior Special Assistant to the President of Nigeria on the Millennium Development Goals".

"Warum nicht das Geld von den Reichen holen?", fragt sie nach, um etwas Zeit für die Antwort zu schinden. Dann spricht sie über "neue Dimensionen" einer künftigen Entwicklungshilfe, die "sowohl Geber als auch Nehmer in die Pflicht nehmen" soll, "Ungleichheit beseitigen", "neue Partnerschaften aufbauen", zum Beispiel "mit der Wirtschaft", die Notwendigkeit von Investitionen, "leaving nobody behind". UNO-Sprech. Und es gelte, die Steueroasen ausfindig zu machen, in die jährlich Milliardensummen aus Entwicklungsländern fließen.

"Die müssten Sie doch kennen", sage ich. "Schließlich haben Sie drei nigerianischen Präsidenten als Beraterin gedient." Sie lässt nur Abacha gelten - und für den habe sie nie gearbeitet. Sani Abacha war General und Militärdiktator von Nigeria (1993–1998). Er ließ den ehemaligen nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo einkerkern und den Umweltschützer und Journalisten Ken Saro-Wiwa hinrichten. Während seiner Amtszeit soll Abacha mehr als eine Milliarde US-Dollar - nach anderen Schätzungen bis zu fünf Milliarden US-Dollar - aus den Erdöleinnahmen Nigerias außer Landes geschafft haben.

Sie ist etwas sauer. "40 Millionen Menschen mehr in Nigeria haben jetzt Zugang zu sauberem Trinkwasser", sagt die Entwicklungsexpertin, die für die nigerianische Regierung einen Fonds verwaltet hat, aus dem sie eine Milliarde US-Dollar jährlich für die Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (MDG) schöpfen konnte. Sie zählt die Erfolge der MDG-Kampagne auf, an der Hunderttausende Regierungsbeamte und NGO-Mitarbeiter rund um den Globus seit dem Jahr 2000 arbeiten (epo.de hat mehrfach darüber berichtet).

EU: ARMUT RELOADED

"Aber jetzt kommt die Armut nach Europa zurück", werfe ich ein. "Griechenland, Spanien". Wo EU-Rettungspakete globalisierte Banken und Spekulanten sanieren.

Amina Mohammed erwähnt die Jugendarbeitslosigkeit, die Migration und die Festung Europa, die Handelsbarrieren der Industriestaaten. Sie zitiert Papst Franziskus, der bei seiner Reise Lampedusa besucht und die "Globalisierung der Gleichgültigkeit" ("globalisation of indifference") kritisiert hat. "We need political leadership!" Amina Mohammeds Assistent Pio Smith macht sich Notizen.

refugees welcome 150Auf die Globalisierung des Geldes und der Industrie müsste logischerweise die Globalisierung der Arbeitskräfte folgen. Das steht nicht auf der Agenda "Beyond 2015", die auf die MDG folgen soll und die Amina J. Mohammed koordiniert. Die "internationale Gemeinschaft", wie die UNO und die Bretton-Woods-Institutionen Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank euphemistisch genannt werden, reagieren auf Krisen wie die gegenwärtige Staatsverschuldung in Europa mit der üblichen Schock-Strategie. Strukturanpassungsprogramme. Die Löhne senken, öffentliche Dienstleistungen einschränken, ein günstiges Klima für Investoren schaffen.

"Die globale Ungerechtigkeit ist das zentrale Thema", insistiere ich. "Warum sollte ich glauben, dass die Weltbank oder der IWF die Lösung bringen können, wenn sie Teil des Problems sind?"

Sie sagt, dass inzwischen die Einsicht herrsche, dass "einiges, was gemacht worden ist, nicht richtig war". Der neue Weltbank-Präsident Jim Yong Kim, seit 2012 im Amt, habe frischen Wind in die Institution gebracht, "more than words". Kim habe beträchtliche Umstrukturierungen in der Bank vorgenommen, und das wirke sich besonders im Bereich der Gesundheit bereits aus.

"I am a great believer in not losing hope", sagt sie zum Schluss. Andere Kollegen warten schon, um sie zu interviewen. "We have to continue to fight the fight. We have to continue to push! Failure ist just not an option!" Und sie gibt mir auf den Weg: "Don't give up the hope! I appreciate your work." Sie ist beeindruckend in ihrer Beharrlichkeit.

DIE PRIVATWIRTSCHAFT IST EFFEKTIVER

Am Abend läuft der Livestream der Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema "European Union and the crisis to the East". Auf dem Podium der Grünen-nahen Stiftung sitzen George Soros, der milliardenschwere Spekulant und Philantroph, Joschka Fischer, Rebecca Harms. Soros hat sein Vermögen als Hedgefonds-Manager mit der Spekulation auf Währungen gemacht. Im September 1992 wettete er auf die Abwertung des britischen Pfunds, verdiente damit rund eine Milliarde Dollar und ruinierte zahlreiche Anleger. Ein Jahr später spekulierte Soros gegen die Deutsche Mark und forderte: "Down with the D-Mark!" Soros stellt seine Spekulationen in einen politischen Zusammenhang und wirft der Politik vor, mit den bestehenden Rahmenbedingungen für Spekulationsgeschäfte eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung in vielen "unterentwickelten" Ländern zu verhindern.

Soros ist auch "a prominent international supporter of democratic ideals and causes for more than 30 years. His philanthropic organization, the Open Society Foundations, supports democracy and human rights in over 70 countries", so die Eigenwerbung. Das Ergebnis sehen wir gerade in der Ukraine. Soros und Fischer mahnen die Europäer zu Einheit und Geschlossenheit.

Soros hält sich an die Devise: Die Philantrophen haben die Welt nur unterschiedlich alimentiert. Es kommt darauf an, sie zu verändern. Er vergisst natürlich nicht zu erwähnen: "Make Ukraine a friendly investment destination". Und er fordert von der Politik die Absicherung ausländischer Investitionen in der Ukraine. Die Geldmaschine ist wieder in Gang gekommen.

Fotos © UNO, boldt publishing

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kb cartoonKlaus A. Boldt ist Gründer und Herausgeber
von Entwicklungspolitik Online (epo.de)


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